Archiv des Autors: Matthias Forstner

Reaktionen zum Entwurf des Nationalen Aktionsplans Behinderung (2022-2030)

Behinderungssymbol durchgestrichen

Quelle: Pixabay, user: chariflax

Mit der Unterzeichnung des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) hat sich Österreich zu deren Umsetzung und zur Wahrung der Rechte für Menschen mit Behinderungen verpflichtet. Die von Österreich angewendete Strategie zur Umsetzung wird in Nationalen Aktionsplänen festgehalten. Diese werden vom Sozialministerium in Kooperation mit den anderen Bundesministerien und unter Partizipation der Zivilgesellschaft, allen voran Organisationen für Menschen mit Behinderungen, erstellt. Der erste NAP 2012-2020 wurde 2012 veröffentlicht und anschließend heftig diskutiert. Nun liegt ein Entwurf für den Nationalen Aktionsplan 2022-2030, erstellt vom Bund mit Beteiligung der Länder und z.T. von Behindertenorganisationen, vor, der noch im Spätsommer vom Ministerrat beschlossen werden soll.

Zahlreiche Behindertenrechtsorganisationen, wie der Unabhängige Monitoringausschuss zur Überwachung der Einhaltung der UN-BRK, der Behindertenrat sowie die Behindertenanwaltschaft haben bereits heftige Kritik geübt. Ein Video der Pressekonferenz ist hier einsehbar. Martin Ladstätter, Präsidiumsmitglied Österreichischer Behindertenrat und Obmann von BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben nennt den Entwurf eine Dokumentation des Scheiterns und vergleicht ihn mit einem Auto mit mehreren Lenkrädern aber ohne Motor und Getriebe – ein Totalschaden. Er appelliert an die Politik, das Ruder nochmal rumzureißen.

In einer ausführlichen Analyse der einzelnen Kapitel kritisiert der Monitoringausschuss immer wieder die fehlende Kohärenz zwischen formulierten Zielen und den dazu vorgeschlagenen Maßnahmen, welche oft nicht geeignet scheinen, um die ersteren zu erreichen. Auch seien viele Ziele, Maßnahmen, Begriffe und Indikatoren oft vage, schwammig, unklar oder lückenhaft definiert bzw. formuliert.

Am Erstellungsprozess wird vielfach kritisiert, dass die erarbeiteten Vorschläge und Papers der Behindertenorganisationen zu wenig beachtet bzw. diese nur wenig in die tatsächliche Bearbeitung eingebunden wurden, obwohl die UN-BRK deren Mitwirkung vorsieht. Markus Neuherz, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich meint:

„Unsere Meinung ist gefragt, aber wenn sie nicht gefällig ist, wird sie ignoriert. Tatsächliche Mitbestimmung ist wohl unerwünscht.“

Ein genereller Kritikpunkt ist die fehlende finanzielle Grundlage der im Plan vorgesehenen Maßnahmen. Um sicherzustellen, dass die Maßnahmen Österreicher*innen mit Behinderungen unabhängig von ihrem Bundesland zukommen, wird vielfach ein nationaler Inklusionsfond oder einer andere Zweckwidmung der finanziellen Ressourcen gefordert. Der Behindertenanwalt Hansjörg Hofer meint.

„Ohne eine konkrete und verbindliche Aussage des Bundes und der Länder zur monetären Bedeckung des NAP ist er das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt wird! Wir fordern daher die Schaffung eines Inklusionsfonds, zu dem der Bund und alle Länder beitragen; 500 Mio € jährlich für die 1,4 Mio Menschen mit Behinderungen in Österreich“

Beim Thema Inklusive Bildung werden sogar Rückschritte im Vergleich zum NAP 2012-2020 konstatiert und die Empfehlungen in Zuge dessen Evaluierung wären nicht berücksichtigt worden. Die Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser meint:

„Es fehlen konkrete Zahlen, zum Beispiel für eine Erhöhung der inklusiven Schulplätze in den kommenden Jahren und den Rückbau der Sonderschulen. .. Bearbeitung der offenkundigen Missstände wird auf die Jahre ab 2030 verschoben, das ist zu spät“.

Dies sei aber notwendig, damit Kinder mit und ohne Behindrung bald gleichermaßen und mit den gleichen Chancen am Bildungssystem teilnehmen können.

verschiedene Arten von Behinderungen

Quelle: Pixabay, user: María_Alberto

Ebenfalls Rückschritte werden in Bezug auf das Ziel der De-Institutionalisierung, welches für das selbstbestimmte Leben von Menschen mit Behinderungen von zentraler Bedeutung ist, moniert. Bereits das UN-Monitoringkomitee hat in seinem Report größerer Anstrengungen von Österreich diesbezüglich gefordert. Laut Monitoringausschuss wurde jedoch in den letzten Jahren im Gegensatz dazu der Ausbau von segregierenden Heimplätzen vorangetrieben – nötig wären jedoch der Ausbau von Persönlicher Assistenz sowie die Schließung von Heimen. Auch Caritas Direktor Michael Landau findet, dass

„die Persönliche Assistenz eine Schlüsselrolle in der Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen spielt“.

Deswegen müsse man jetzt auf der Grundlage vorhandener Pilotprojekte handeln:

“Es ist sehr viel Zeit vergangen, seit Österreich die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat. Das theoretische Wissen zu Verbesserungen ist vorhanden, einzig der mutige Wille zur praktischen Umsetzung fehlt in diesem NAP“, so Landau.

Weitere Kritikpunkte umfassen unter anderem die Ausführung über die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen sowie die Ausklammerung bzw. geringe Berücksichtigung der Situation von Frauen, Mädchen, Eltern oder LGBTQI+ Personen mit Behinderungen.

Die Stimmung der Reaktion auf den NAP Entwurf zusammenfassend hält die Vizepräsidentin der Lebenshilfe Österreich Hanna Karat fest, dass Behindertenorganisationen drei Jahre versucht haben, sich in den Erstellungsprozess einzubinden. Dennoch enstspreche der NAP Entwurf nicht den Inhalten der UN-BRK, zu denen sich Österreich verpflichtet hat:

„Unserer Geduld ist am Ende. Ich frage mich, ob wir mit den Rollstühlen vor den Regierungsgebäuden auf der Straße stehen müssen, damit wir endlich zu unseren Rechten kommen“

Klaus Wild, Vizepräsident des Behindertenrats hofft noch auf ein Einlenken der Politik, mahnt aber:

„Sollten unsere Menschenrechte weiterhin ignoriert werden, sind wir Menschen mit Behinderungen erstmals seit vielen Jahren wieder gezwungen, auf die Straße zu gehen, um für ganz normale Menschenrechte, zu denen sich Österreich schon vor 14 Jahren bekannt und verpflichtet hat, zu demonstrieren“

Anbei Links zu den diversen Stellungnahmen, welche auch die Quelle für die oben angeführten Zitate darstellen. Am umfangreichsten ist die Stellungnahme des Monitoringausschusses. Zudem werden auch Links zur genannten Pressekonferenz sowie zu diversen Zeitungsartikeln zum Thema angeführt.

 

Weiterführende Links

Konzeptionalisierung von Behinderung – Die drei Dimensionen des Gesamtphänomens Behinderung

Matthias Forstner trug im Rahmen der 1. Österreichischen Online Inter- und Transdisziplinäre Dis/Ability-Forschungswerkstatt Kurzimpulse am 13. Mai 2022 aus seiner bisherigen Dissertationsforschungen zum Thema Konzeptionalisierung und Modelle von Behinderung vor. Es folgt eine Schilderung dieses Vortrags vom Autor selbst.

Der Begriff „Behinderung“ wird in verschiedenen Kontexten unterschiedlich verwendet. Da die Definition für die Betroffenen und den Umgang mit ihnen sehr relevant ist, wird sie auch heftig diskutiert.

„Behinderung ist ein multidimensionaler Begriff, der multiprofessionell verwendet wird, und dies macht eine Auseinandersetzung mit dem Thema so unübersichtlich. Bei seiner Verendung begibt man sich relativ schnell auf ein semantisches Minenfeld“ (Egen, 2020, S. 55).

Die Disability Studies haben die Unterscheidung zwischen zwei grundsätzlichen Zugängen eingeführt, die auch Tale of Two Models genannt wird.

 

Individuelle Modelle Soziale Modelle

Hierzu zählen vor allem biomedizinische Modelle, die Behinderung als biomedizinische Abweichung des Individuums sehen und also mit Beeinträchtigungen gleichsetzen.

Diese Modelle – u.a. Britisches Soziales Modell (Oliver, 1996) – sind die große Idee der Disability Studies. Sie haben die Wurzeln in der Behinderungsbewegung, z.B. UPIAS. Es wird Abgrenzung zwischen Beeinträchtigung und Behinderung vorgenommen.

 “disability is something imposed on top of our impairments, by the way we are unnecessarily isolated and excluded from full participation in society” and “is therefore a particular form of social oppression” (UPIAS, 1975)–

Mit Ausdifferenzierung der Disability Studies kam jedoch auch innerhalb dieses Feldes eine Kritik am alleinigen Fokus auf die soziale Ebene auf, u.a. wurde kritisiert.

  • Ausblendung von Körper/Leib (Hughes & Paterson, 1997)
  • Ausblendung leiblicher Erfahrungen wie Schmerz, Müdigkeit (Morris, 1993)
  • Ausblendung von realen Beeinträchtigungseffekten (Thomas, 2012)
  • Ausblendung von Aspekten der Identität (Swain & French, 2000)
  • Ausblendung von psycho-emotionalen Folgen des Disablismus (Reeve, 2012; Watermeyer & Swartz, 2016)

Um diesen Kritikpunkten gerecht zu werden, ohne die unbestreitbaren Fortschritte durch die soziale Sicht auf Behinderung aufzugeben wurde von Forstner (2022) die in der Gesundheitssoziologie gebräuchliche Unterscheidung zwischen den drei Dimensionen disease, illness und sickness (Hofmann, 2016; Marinker, 1975) des Krankheitsphänomens auf das Gesamtphänomen angewendet. Dieses als Biophänomenosoziale Modell von Behinderung bezeichnete Framework wurde in einem Artikel der Zeitschrift für Disability Studies dargelegt.

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Corona Pandemie und Menschen mit Behinderungen – Kommentierte Links zum Thema

Nun öffnet wieder alles und Covid geht zurück, zwar noch nicht in der Bevölkerung, aber zumindest in der Medienberichterstattung bzw. wird es durch andere wichtige Ereignisse verdrängt. Dabei sind es nun schon mehr als zwei Jahre in denen wir alle mit der Covid-19 Pandemie, ihren Auswirkungen und den Folgen der dagegen ergriffenen Maßnahmen konfrontiert sind. Wie auch bei anderen gesellschaftlichen Problemzonen sind viele Menschen mit Behinderungen oft ganz besonders betroffen. Das reicht von Vereinsamung während der Lockdowns in Pflegeheimen, Ärger über Mitmenschen, die die Schutzbestimmungen nicht einhalten und somit besonders gefährdete Menschen unnötig weiter in Gefahr bringen oder in die Isolation treiben, Problemen mit persönlichen Assistent*innen oder Pfleger*innen, die als Ansteckungsrisiko dienen oder krankheitsbedingt ausfallen, Ängsten vor Abwertungen in drohenden Triagen bis zu Diskursen über totale Öffnungen und die „Rechte der Gesunden“.

Im Folgenden werden ausschnitthaft Links zu interessanten Zeitungsbeiträgen und wissenschaftlichen Artikeln zum Thema vorgestellt.

Quelle: Pixabay, María_Alberto Quelle: Pixabay, TheDigitalArtist
Quelle: Pixabay, María_Alberto Quelle: Pixabay, TheDigitalArtist

 

Zeitungsartikel und Onlinebeiträge

Ein Artikel vom 6.03.2022 aus New Haven Register geht auf diverse Barrieren für Menschen mit Behinderungen aufgrund der Covid-Politik im US-Kontext ein. –„We have been ignored, forgotten, and left out of policy discussions” – ‘People were okay with leaving us behind’: COVID harder on those with disabilities, experts say

Ein weiterer Artikel  aus dem Guardian wurde vom 03.02.2022 von George Taleporos der Chairperson des Victorian Disability Advisory Council verfasst und kritisiert die australische Covid-Strategie in Bezug auf Menschen mit Behinderungen – “Federal and state governments have failed disabled people like me during the pandemic” – As a disabled person trying to ‘live with’ Covid in Australia, every day is a game of figuring out who is least likely to kill me

Ein Artikel aus dem Fokus von 22.02 beschäftigt sich mit den möglichen Konsequenzen einer alleinigen Impfpflicht für die Pfleger*innen (einrichtungsbezogene Impfpflicht) auf Menschen mit Behinderungen in Deutschland. Dabei werden Themen wie der besondere Schutz vulnerabler Gruppen, der Pflege- und Assistenznotstand sowie weitere Probleme von Menschen mit Behinderungen während der Pandemie behandelt. Eine Betroffene: „Impfpflicht für Pfleger zerstört mein Leben…Wer interessiert sich schon für meine Geschichte? Die Politiker? Das glaube ich kaum“ Probleme bei Corona-Impfpflicht

Ein Beitrag von ORF Kärnten vom 2.12.2021, der anlässlich des Tages der Menschen mit Behinderungen die Problemfelder des Jahres 2021 zusammenfasst und dabei auf Isabella Scheiflinger, Anwältin für Menschen mit Behinderung des Landes Kärnten, eingeht – „Die letzten Monate zeigen deutlich, dass bei vielen Menschen einfach auch „die Luft draußen“ ist und die schwierige Zeit Spuren hinterlassen habe, so Scheiflinger.“ – Menschen mit Behinderung in der CoV-Krise

Dieser Artikel vom ZDF vom 30.11.2021 widmet sich den Auswirkungen der Covid -19 Pandemie auf die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt in Deutschland – „Corona-Pandemie hat Fortschritte zunichte gemacht“ – Menschen mit Behinderung häufiger arbeitslos – und  ein kurzer Zeit Artikel vom 08.02. 2022 zum selben Thema: Jobsituation für Behinderte in Pandemie verschlechtert

Ein Beitrag des amerikanischen Think-Tanks Center for American Progress vom 09.02.2022 befasst sich mit dem Thema Arbeitsmarkt, Behinderung und Covid-Pandemie, auch vor dem Hintergrund, dass die Pandemie selbst die Anzahl der Menschen mit Beeinträchtigungen der Arbeitspopulation vergrößern wird.- „Labor market policy must take into account the dramatic increase in the disabled population” – COVID-19 Likely Resulted in 1.2 Million More Disabled People by the End of 2021

Zum Schluss kommt kein Zeitungsartikel, sondern die offizielle Stellungnahme des österreichischen Monitoringausschusses inklusive Handlungsempfehlungen. Die Stellungnahme ist auch in leichter Sprache verfügbar. „Im Rahmen des Versuchs, die Pandemie zu bewältigen, kam es zu zahlreichen Maßnahmen mit teilweise sehr negativen Auswirkungen für Menschen mit Behinderungen.Menschen mit Behinderungen während der COVID-19-Pandemie – 2021

 

Wissenschaftliche Artikel

Dieser bereits etwas ältere Kommentar aus dem Journal Lancet von Tom Shakespeare et al. fasst die Situation für Menschen mit Behinderungen zusammen: „A better future has to grow from learning the lessons, listening to the life experiences of people with disabilities, and making meaningful investments that improve the wellbeing and socioeconomic conditions of people with disabilities” –  Triple jeopardy: disabled people and the COVID-19 pandemic

Ein Artikel von Michael Zander aus der Zeitschrift für Disability Studies vom Juli 2021 arbeitet die Auswirkung von Corona auf Menschen mit Behinderungen aus einer Disability Studies Sicht auf. „Dargestellt und diskutiert werden unter anderem Befunde und Positionen zu den sozial-ökologischen Charakteristika der Pandemie, zu erhöhten Erkrankungs- und Sterberisiken in Institutionalisierung der Behindertenhilfe sowie zur Triage und dem Aufkommen sozialdarwinistisch getönter Verschwörungsideologien. Abschließend werden Fragen zur Krisenbewältigung aufgeworfen.“ – Corona-Pandemie und Behinderung – ein Überblick

Eine Studie, veröffentlicht im Disability and Health Journal im Jänner 2022, beschäftigte sich mit der digitalen Kluft in Bezug auf Menschen mit Behinderungen in der Pandemie und vergleicht das Internetverhalten in Korea von Menschen mit und ohne Behinderungen. „We identified significant differences between PWOD and PWD in their Internet usage change during the pandemic – To ensure better post-pandemic outcomes for marginalized groups including PWD, the governments and authority agencies must facilitate digital access and services with appropriate accommodations needed by those populations.– Effect of digital divide on people with disabilities during the COVID-19 pandemic.

Ein Artikel, veröffentlicht im International Journal of Environmental Research and Public Health vom April 2021, fasst Ergebnisse aus anderen Studien bezüglich der Auswirkung von Lockdown-Maßnahmen auf Menschen mit Behinderungen zusammen und gibt somit eine gute Übersicht über das Thema.  „Lack of disability-inclusive response and emergency preparedness and pre-pandemic disparities created structural disadvantages, exacerbated during the pandemic.” – Lockdown-Related Disparities Experienced by People with Disabilities during the First Wave of the COVID-19 Pandemic: Scoping Review with Thematic Analysis – Ein Reviewartikel  aus dem Disability and Health Journal vom Jänner 2021 fasst ebenfalls diesbezüglich Literaturbefunde zusammen – Impact of COVID-19 on people with physical disabilities: A rapid review

Die Autor*innen dieser Studie befragten 441 Amerikaner*innen mit Behinderungen mit Instrumenten zur Messung von Angst und Depression und suchte nach Prädikatoren dafür in dieser Population. „In our sample, 61.0% and 50.0% of participants met criteria for a probable diagnosis of major depressive disorder and generalized anxiety disorder, respectively. Participants also experienced significantly higher levels of disability-related stigma and social isolation compared to prepandemic norms” – Predicting depression and anxiety among adults with disabilities during the COVID-19 pandemic

Ein kurzer Bericht, veröffentlicht in den Archives of Physical Medicine and Rehabilitation vom Juli 2021  vergleicht die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitslosigkeit von Amerikaner*innen mit und ohne Behinderungen zwichen Februar und April 2020 „The percentage unemployed rose from 3.0% to 6.5% for persons with disabilities and 2.9% to 10.5% for people without disabilities.“ – Changes in the Employment Status of People With and Without Disabilities in the United States During the COVID-19 Pandemic

Ein weiterer kurzer Bericht veröffentlicht in Disability in Health im Juli 2021. In der Studie wurden 109 gebildete und gut verdienende Amerikaner*innen mit Behinderungen bezüglich der Auswirkung der Pandemie auf ihr Leben befragt. „Only 14.9% of survey respondents reported disruptions in employment. On average, 54.0% of service changes were due to discontinuation, including loss of physical therapy, job coaching, community organizations, transportation, and peer supports.” – Impact of COVID-19 on services for people with disabilities and chronic health condition

 

 

Das Projekt „Geschichte der Behindertenbewegung“ wurde ausgezeichnet

Österreichische Wissenchaftler*innen rund um Volker Schönweise haben in einem Projekt die Geschichte der Behindertenbewegung und Selbstbestimmt Leben Bewegung in Österreich systematisch aufgearbeitet und ihre Ergebnisse in einem Archiv der der Bidok – der barrierefreien digitalen Bibliothek zu Behinderung und Inklusion frei zur Verfügung gestellt. Ziel war es, der Behindertenbewegung in Österreich ein Gedächtnis zu geben. Das Archiv enthält neben ausführlichen, in den 1920ern startetenden, Zeitleisten und wichtigen Zeitdokumenten auch Interviews mit Zeitzeug*innen. So sind Interviews mit 14 Aktivist*innen in Video- und Transkriptform verfügbar.

Diese Anstrengungen wurden nun von der amerikanischen US Disability History Association mit dem  Public Disability History Award belohnt, eine alle zwei Jahre vergebene Auszeichnung, die Arbeiten rund um Geschichte von Behinderung würdigt und mit einem symbolischen Preis von 200 Dollar dotiert ist.

„We are pleased to announce the second biennial Disability History Association Public Disability History Award goes to the Digital Archive of the Disability Rights Movement in Austria. This project was submitted by Volker Schönwiese, University of Innsbruck, Petra Flieger, Independent researcher, and Josefine Wagner, University of Innsbruck.“ (Quelle: The Disability History Association)

Links
Bidok Projekt: „Geschichte der Behindertenbewegung“
The Disability History Association
Beitrag in Bizeps – Nachrichten zum Thema Behinderung