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Nachbericht zur DiStA-Forschungswerkstatt 2026

Am 29. Mai 2026 fand die 5. Österreichische Online Inter- und Transdisziplinäre Dis/Ability-Forschungswerkstatt von Disability Studies Austria (DiStA) statt. Als Zuhörer-in war es ein inspirierender Tag, der viele Eindrücke hinterlassen hat. Der wissenschaftliche Austausch, der kritischer Diskussion und die kreativen Inputs und Forschungsansätze war aufregend und förderte das Nachdenken über den gesellschaftlichen Umgang und das Denken über Behinderung und Nicht-Behinderung.

Die vom Crip Collective (TU Wien) organisierte Forschungswerkstatt stand unter dem Schwerpunkt „Austerität, Sozialabbau und Behinderung“. Gleichzeitig bot das Programm Raum für vielfältige Themen aus den Disability Studies.

Den Auftakt machte Veronika Bachleitner mit Überlegungen zu Zugehörigkeit in wissenschaftlichen Wissenskulturen. Der Beitrag richtete den Blick auf Forschungsumgebungen, in denen unterschiedliche Arten des Denkens und Wahrnehmens Anerkennung finden können.

Mit ihrem künstlerischen Forschungsprojekt „utterstutterclutter“ luden Ema Benčíková und Elena Lach dazu ein, Kommunikation kreativ wirken zu lassen. Statt von Defiziten in der Kommunikation zu sprechen, fragten sie danach, wie behinderte Kommunikation funktioniert und welche neuen Möglichkeiten daraus entstehen können.

Kay Kender zeigte in einem Vortrag zu Naturschutz und Faschismus auf, wie historische Vorstellungen von Natur bis heute den Zugang zu Naturerfahrungen beeinflussen. Der Beitrag machte deutlich, dass Fragen von Barrierefreiheit auch in Natur- und Umwelträumen eine wichtige Rolle spielen.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Schwerpunkts stand die Podiumsdiskussion zu den Folgen von Sparpolitik für behinderte Menschen. Die Diskussion verdeutlichte, wie eng politische Entscheidungen mit Fragen von Partizipation, Selbstbestimmung und sozialer Gerechtigkeit verbunden sind und welche Rolle Disability Studies dabei spielen können. Es diskutierten Ursula Naue, Pia Röhrer, Paulina Spelbrink und Florian Slansky. Katta Spiel moderierte.

Am Nachmittag sprach Leo Hosp über Autismus, sensorische Wahrnehmung und Technik. Besonders spannend war die Perspektive, dass Technik sowohl entlastend als auch belastend wirken kann und dass sensorische Erfahrungen kontext- und personenbezogen sind und im Zusammenspiel von Person, Umwelt und Technologie entstehen.

Den Abschluss bildete der Beitrag von Oliver Suchanek und Lydia Kremslehner über eine Accessible Kunstausstellung, die gemeinsam mit tauben und taubblinden Künstler-innen entwickelt wurde. Das Beispiel zeigte eindrucksvoll, wie Partizipation, Mitbestimmung und Barrierefreiheit kreative Prozesse und kulturelle Angebote bereichern können.

Die Forschungswerkstatt war thematisch vielfältig und kreativ gestaltet. Sie machte einmal mehr sichtbar, wie facettenreich Disability Studies in Österreich sind. Über unterschiedliche wissenschaftliche, künstlerische und aktivistische Zugänge kamen die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch. Die Forschungswerkstatt war wie immer ein Raum für gemeinsames Lernen, kritisches Nachdenken und solidarischen Austausch. Wir bedanken uns herzlich beim Crip Collective, allen voran bei Katharina Werner und Janis Lena Meißner für die Organisation und die Durchführung.

Termin-Ankündigung für das Netzwerktreffen Disability Studies

Save the Date 23.10.2026 von 10-14 Uhr online via ZOOM

DiStA ist Teil des deutschsprachigen Netzwerks Disability Studies. https://disabilitystudies.de/  

Auf dem vorläufigen Programm stehen der Austausch und Mitteilungen über aktuelle Entwicklungen in den DS sowie ein kleiner interaktiver Fachvortrag. Zudem ist Zeit für die Treffen der Arbeitsgruppen vorgesehen. 

Barrieresensible Gestaltung: 

Eine Schrift-Dolmetschung wird organisiert und alle Dokumente und Dateien werden im barrierearmen Format vor der Veranstaltung im Gesamtverteiler versendet. Weitere Barrierefreiheits-Anforderungen können bis zum 15.07.2026 hier angemeldet werden:

Janieta Bartz

E-Mail: janieta.bartz@hs-duesseldorf.de

Telefon/WhatsApp: 0170 7456640

Lange Nacht der Forschung 2026: „Was ist Ableismus?“

Von Michaela Joch und Rahel More

Am 24. April 2026 fand österreichweit die Lange Nacht der Forschung statt, deren Ziel die niederschwellige Wissenschaftsvermittlung ist. Michaela Joch und Rahel More vom Institut für Bildungswissenschaft, Arbeitsbereich Inklusive Pädagogik, waren im Hauptgebäude der Universität Wien mit einer Station zum Thema „Was ist Ableismus“ vertreten. Die Station wurde in Kooperation mit Dominik Wang, Helena Auer und Jennifer Davies von den Wiener Volkshochschulen (VHS) sowie Martina Gollner von der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs umgesetzt. Unterstützt wurden die Wissenschaftlerinnen außerdem von den studentischen Hilfskräften Livia Dell’Acqua, Flora Egle und Maximilian Schlager vom Institut für Bildungswissenschaft.

Gruppenfoto an der Station von Dolmetscher:innen, VHS-Kolleginnen, Projektleiterinnen und studentischen Mitarbeitenden.

© Markus Korenjak

An der Mitmach-Station konnten sich die Besucher:innen spielerisch zum Thema Ableismus informieren und zudem unterschiedliche Möglichkeiten der Teilhabe im Wissenschaftskontext kennenlernen. Dazu zählten u.a. Wissensposter mit Beispielen für Ableismus, der Avatar der VHS, Inhalte in Leichter Sprache und Braille-Schrift sowie zugängliche digitale Inhalte über unsere zusätzliche Informations-Homepage zur Station u.a. mit Fließtext und Vorlese-Funktion. Zudem war die Möglichkeit der Dolmetschung von Inhalten in österreichische Gebärdensprache an der Station vorhanden.

Gruppenfoto an der Station von Dolmetscher:innen, VHS-Kollegin, Hilfsgemeinschaft-Kollegin, Projektleiterinnen und studentischen Mitarbeitenden.

© Johannes Hloch

Ziel unserer Station war es, den Besucher:innen den Zusammenhang zwischen Fähigkeiten, Inklusion und Exklusion zu vermitteln. Dabei ging es uns v.a. um Fragen von Behinderung, unterschiedlichen Fähigkeiten und Teilhabe. Vor Ort sowie über eine digitale Pinnwand konnten die Besucher:innen festhalten, was sie unter Fähigkeit verstehen und welche Fähigkeiten sie in ihrem Leben als wichtig erachten. So entstand eine Sammlung unterschiedlicher Fähigkeiten und wir konnten darüber vertiefte Gespräche zu Normalitätsvorstellungen und Ausschlussprozessen anregen.

Foto von Michaela auf dem Bildschirm des Avatars, im Hintergrund VHS-Kollegin und studentische Mitarbeitende bei der Station.

© Rahel More

Insbesondere der Avatar der VHS, über den Michaela Joch anwesend war, sowie die Inhalte in Braille-Schrift weckten das Interesse der Besucher:innen und ermöglichten viele Interaktionen zum Thema Ableismus. Für den Großteil waren die Inhalte unserer Station sowie der Begriff Ableismus neu, es kamen jedoch auch Personen mit Vorwissen bzw. Expert:innen zu Inklusion und Behinderung und tauschten sich mit uns aus. Kinder und Erwachsen zeigten gleichermaßen Interesse an unserer Station und so entstanden viele spannende Gespräche und gegenseitige Lernmöglichkeiten. Mit dem Avatar war es außerdem möglich andere Stationen zu besuchen und somit Einblicke in die Arbeit der Kolleg:innen zu erhalten.

Foto aus Michaelas Perspektive über den Avatar von Rahel und der Station im Hintergrund.

© Michaela Joch

Foto von Michaela über den Bildschirm des Avatars und Rahel, zwischen ihnen ein blaues Poster mit dem Text „Stop Ableism now“.

© Markus Korenjak

Foto einer Pinnwand mit vielen Zettelchen mit Definitionen von Fähigkeiten.

© Rahel More

Foto eines grauen Padlets mit weißer Schrift, mit Anleitung für Tastaturkürzel und drei Einträgen zu Fähigkeiten.

© Rahel More

Foto vom Avatar mit Rollen an einer anderen Station, Michaela am Bildschirm mit Skelett der anderen Station im Hintergrund.

© Livia Dell’Acqua

 

 

Komm zum Netzwerk-Treffen Disability Studies 24.04.2026

Das Netzwerk Disability Studies ist eine Kooperation aus verschiedenen Netzwerken, Instituten und Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Gegründet im Jahr 2018 auf der Berliner Disability Studies Konferenz „DisKo18“ führt es Forschende mit und ohne Behinderungen zusammen, die in ihrer wissenschaftlichen Arbeit nach den Grundzügen der Disability Studies arbeiten.

Das Netzwerk-Treffen Disability Studies findet am 24.04.2026 von 10.00 – 14.00 Uhr statt. Teilnehmen können alle über diesen ZOOM-Link:

https://uni-leipzig.zoom-x.de/j/65824299067?pwd=7QWW3clNBx93AVZiBjYkO0SVZWO9aQ.1

Die Veranstaltung ist eine Kooperation von Lehr- und Forschungsbereich Disability Studies (Uni Innsbruck), bidok (Innsbruck),  BODYS (Bochum), ZeDiSplus (Hamburg), iDiS (Uni Köln), Disability Studies Deutschland e.V. (DSD).

Es wird Schriftdolmetschung angeboten. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Hinweise zur barrierearmen Kommunikation: Es werden Schrift-Dolmetschende anwesend sein. Bitte machen Sie sich Ihr Sprechtempo wiederholt bewusst und achten darauf, sodass die Verschriftlichung parallel erfolgen kann. Bitte nutzten Sie Chatnachrichten nur für Wortbeiträge, die von der Moderation vorgelesen werden. Um eine Gleichberechtigung der Kommunikationsweisen zu gewährleisten, soll keine Paralleldiskussion im Chat entstehen.

Herzliche Grüße, Das Orga-Team  (Carolin Fleischer-Heininger, Fabian Rombach, Johanna Burk,  Johanna Leidich, Sarah Karim, Nico Leonhardt)

 

5. Österreichische Online Inter- und Transdisziplinäre Dis/Ability-Forschungswerkstatt

 

Wann: Freitag, 29. Mai 2026

Ort: Online (Link wird den angemeldeten Teilnehmer*innen zeitgerecht bekanntgegeben)

Die fünfte Inter- und Transdisziplinäre Dis/Ability-Forschungswerkstatt wird am 29. Mai 2026 stattfinden. Auch heuer laden wir Studierende, Wissenschaftler*innen und Forschende außerhalb klassischer akademischer Strukturen, die im Sinne der Disability Studies forschen, herzlich ein, sich zu vernetzen, auszutauschen und gemeinsam zu diskutieren. 

Die Teilnahme ist mit eigenem Beitrag oder als Zuhörer*in und Mitdiskutant*in ohne eigenen Beitrag möglich.

Ein Ziel von Disability Studies Austria (DiStA) ist es, die Disability Studies in der österreichischen Forschungslandschaft sichtbarer zu machen. Wir gehen davon aus, dass es in vielen Wissenschaftsdisziplinen möglich ist, kritisch und emanzipatorisch zu Behinderung(en) zu forschen und zu lehren. Dazu wurde ein Positionspapier veröffentlicht.

Thematischer Schwerpunkt 2026: Austerität, Sozialabbau und Behinderung

Die heurige Forschungswerkstatt wird vom Crip Collective organisiert – einem Zusammenschluss für behindertengeleitete Forschung und Design, u. a. im Rahmen des ERC Starting Grant finanzierten Projekts ACCESSTECH.

Einreichungen zu sämtlichen Themen sind willkommen, die für Disability Studies relevant sind. Vor dem Hintergrund massiver Einsparungen im Sozial-, Pflege- und Gesundheitsbereich setzen wir dieses Jahr zusätzlich einen thematischen Schwerpunkt auf die Auswirkungen von Austeritäts- und Kürzungspolitiken.

Wir laden insbesondere Beiträge ein, die sich kritisch mit den sozialen, politischen und ökonomischen Folgen dieser Entwicklungen auseinandersetzen: 

  • Wie verändern Kürzungen Autonomie, Selbstbestimmung und Teilhabe behinderter Menschen?
  • Welche Rückschritte drohen – und welche Formen von Widerstand, Solidarität und Gegenwissen entstehen?
  • Welche Rolle können Disability Studies in diesen Auseinandersetzungen spielen – analytisch, politisch und praktisch?

Willkommen sind theoretische, empirische, methodische, künstlerische, aktivistische oder erfahrungsbasierte Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen und Positionierungen.

Format & Organisation

Die Forschungswerkstatt findet online statt und besteht aus Präsentation der Beiträge mit anschließender gemeinsamer Diskussion. Ziel ist kein Leistungs- oder Konkurrenzraum, sondern ein solidarischer Austausch auf Augenhöhe.

Anmeldung & Einreichung

Bitte melden Sie sich über das Online-Formular bis spätestens 26. April 2026 an, und geben Sie bekannt, ob Sie

  1. aktiv mit einem eigenen Beitrag teilnehmen wollen. Senden Sie uns dazu Ihren Titelvorschlag und eine kurze Beschreibung Ihres Beitrages. Eine Rückmeldung an aktiv gemeldete Teilnehmer*innen erfolgt Anfang Mai,
  2. ohne eigenen Beitrag als Zuhörer*in teilnehmen wollen,
  3. Bedarfe bzgl. der Barrierefreiheit der Veranstaltung (z.B. ÖGS-Dolmetsch) haben.

Die Teilnahme an der Forschungswerkstatt ist kostenlos. 

Das finale Programm wird Anfang Mai 2026 auf der Forschungswerkstatt-Internetseite veröffentlicht.

Die Forschungswerkstatt wird vom Crip Collective in Kollaboration mit der TU Wien für das Disability Studies Austria (DiStA) Netzwerk organisiert.

Fragen zu Barrierefreiheit oder Inhalt? Per Mail an dista-fowe@uniability.org

Liebe Grüße,

das Organisationsteam: Katharina Werner, Janis Lena Meißner

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Ableism in Academia – Strategien für die inklusive Hochschulpraxis

Unter diesem Titel diskutierte Nicole Brown (University College London) Strukturen und Kulturen, die die akademische Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen und neurodivergenten Personen erschweren. Die Veranstaltung fand am 4. November 2025 statt und wurde von der Abteilung Gleichstellung, Chancengerechtigkeit und Vielfalt sowie dem Betriebsrat für das wissenschaftliche Universitätspersonal an der Johannes Kepler Universität Linz organisiert.

Unsichtbarkeit und strukturelle Ausschlüsse

In ihrer Einleitung zum Thema benannte die Moderatorin Angela Wegscheider einen zentralen Widerspruch: Würde sich der Anteil von Menschen mit Behinderungen in der österreichischen Bevölkerung (etwa 15 %) auch in der Universitätsstatistik widerspiegeln, müssten an der JKU rund 3.500 Studierende und 450 wissenschaftlich Beschäftigte mit Behinderungen erfasst sein. Die tatsächlichen Zahlen liegen jedoch deutlich darunter, was auf fortbestehende Barrieren im Bildungs- und Wissenschaftssystem hindeutet.

Nicole Brown verdeutlichte in ihrem Vortrag, dass Ableismus – also die gesellschaftliche und institutionelle Bevorzugung nichtbehinderter Normen – an Hochschulen tief verankert ist. Strukturelle Unsichtbarmachung, mangelnde Sensibilität bei Universitätsangehörigen und institutionelle Praktiken führen dazu, dass viele behinderte oder chronisch kranke Personen ihre Beeinträchtigung nicht offenlegen. „Disclosure“, so Brown, sei meist ein komplexer Aushandlungsprozess zwischen Risiko und Notwendigkeit, eine „Cost-Benefit-Analyse“ im Spannungsfeld von Stigma und Selbstschutz.

Forschungsperspektive: Embodied Inquiry

Methodisch präsentierte Brown ihren Ansatz der „Embodied Inquiry”, bei dem körperliche und sinnliche Erfahrungen als zentrale Wissensquelle betrachtet werden. Dadurch wird Forschung zu einem relationalen, verkörperten Prozess, der über sprachliche Repräsentationen hinausgeht. Mithilfe kreativer und visueller Methoden, wie der Gestaltung von „Identity Boxes” oder bildhaften Darstellungen akademischer Räume, versucht Brown, individuelle Erfahrungswelten sichtbar zu machen und institutionelle Strukturen erfahrbar zu kritisieren.

Dieser Forschungszugang ist auch theoretisch in der Phänomenologie und Hermeneutik verankert und knüpft an gegenwärtige Diskussionen in den Disability Studies über affektive, leibliche und epistemische Dimensionen von Behinderung an.

Wege zu inklusiver Praxis

Am Ende gab Brown noch praktische Empfehlungen. Auf persönlicher Ebene plädierte sie für ein Klima der Offenheit, gegenseitiger Unterstützung und Solidarität. Auf institutioneller Ebene forderte sie, Prekarität und befristete Verträge abzubauen, flexible Arbeitsmodelle auszubauen und universitäre Richtlinien im Hinblick auf Diskriminierungsrisiken und Ableismus systematisch zu überprüfen. Förderinstitutionen sollten, so Brown, inklusive Kriterien entwickeln, die unterschiedliche Lebensrealitäten anerkennen und strukturelle Ungleichheiten nicht reproduzieren.

„Nothing about us without us“

Den Abschluss bildete der Aufruf, Behinderung nicht länger als Randthema, sondern als zentralen Bestandteil wissenschaftlicher Kultur zu verstehen. Die Weiterentwicklung der Universität in Richtung mehr Inklusion, auch in der Lehre, und Forschung dazu muss mit dem Prinzip „Nothing about us without us“ verbunden sein. Dazu müsse die Universität attraktiv für mehr Menschen mit Behinderungen sein.

Die lebhafte Diskussion im Anschluss zeigte das große Interesse an der Frage, wie sich diese Ansätze in den universitären Alltag und die Forschungspraxis übersetzen lassen.

In ihrem Vortrag verdeutlichte Brown, dass Inklusion nicht allein eine Frage der Barrierefreiheit ist, sondern eine grundlegende kulturelle Veränderung in Haltung und Wahrnehmung erfordert. Weitgehende Barrierefreiheit ist eine Notwendigkeit, Vielfalt eine Ressource.

Ankündigung der Tagung

Tagung „Schattenbilder. Nachwirkungen von (NS-) „Eugenik“ und „Euthanasie“ in Theorie und Praxis des österreichischen Gesundheits- und Sozialwesens 1945 bis 2025“


Wann: 12. September 2025, 12:00-19:00 Uhr
Ort: Sigmund Freud Privatuniversität Linz, Adalbert-Stifter-Platz 2, 8. Stock, 4020 Linz. Die Tagung findet hybrid statt (Teilnahme vorort oder online möglich).

Die interdisziplinäre Tagung „Schattenbilder“ widmet sich den Nachwirkungen von (NS-) „Eugenik“ und „Euthanasie“ im österreichischen Gesundheits- und Sozialwesen von 1945 bis in die Gegenwart. Ziel ist es, die Persistenz eugenischer Denkfiguren und Praktiken kritisch zu beleuchten und ihre Bedeutung für heutige medizinische, psychotherapeutische, gesellschaftliche und technokulturelle Diskurse sichtbar zu machen.

Forscher-innen aus Geschichte, Psychotherapiewissenschaft sowie Sozial- und Kulturwissenschaften diskutieren Kontinuitäten und Transformationen: vom Massensterben in Nachkriegsanstalten über Geschlechterbilder in der Psychiatrie und Psychotherapie, den Umgang mit Erinnerungskultur bis hin zu aktuellen Debatten um Transhumanismus und biopolitische Selbstoptimierung. Auch die kritische Reflexion autoritärer und eugenischer Muster in kulturellen Bewegungen der Nachkriegszeit, wie etwa der „Kommune“ am Friedrichshof im Burgenland, wird thematisiert.

Die Tagung wird vom Department für Psychotherapiewissenschaft der Sigmund Freud PrivatUniversität Linz, dem Verein für Sozialgeschichte der Medizin in Kooperation mit dem Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim organisiert und findet am 12.09.2025 von 12:00-19:00 Uhr hybrid statt (Teilnahme vorort oder online möglich). Sie lädt zur aktiven Auseinandersetzung mit verdrängten Kontinuitäten und ethischen Fragen ein, die für die Gegenwart von hoher Relevanz sind.

Allgemeine Informationen

Anmeldungen zur Tagungsteilnahme werden bis spätestens 08.09.2025 erbeten. Die Anmeldungen bitte per E-Mail an ptw-linz@sfu.ac.at. Bitte geben Sie an, ob Sie in Präsenz oder online teilnehmen möchten.

Die Tagung wird vom Department für Psychotherapiewissenschaft der Sigmund Freud PrivatUniversität Linz, dem Verein für Sozialgeschichte der Medizin in Kooperation mit dem Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim organisiert.

Tagungsorganisation: Carlos Watzka und Elisabeth Schäfer

Das Programm finden Sie hier zum Downloaden:

Nachbericht zum Disability Studies Vernetzungstreffen

Als Pre-Event zur ALTER-Konferenz an der Universität Innsbruck luden DiStA (Disability Studies Austria, Forschung zu Behinderung, Österreich) und das Netzwerk Disability Studies am 8. Juli zu einem Vernetzungstreffen deutschsprachiger Forscher-innen in den Disability Studies ein.

Es nahmen 21 Personen vor Ort und 23 Personen online teil. Die Organisator-innen waren Laura Nadine Hochsteiner, Volker Schönwiese und Angela Wegscheider von DiStA sowie Bertold Scharf und Karin Elinor Sauer vom Netzwerk für Disability Studies.

Zunächst machten wir eine kurze Vorstellungsrunde der Anwesenden im Raum und in Zoom und stellten die Ziele und die Arbeit von DiStA und dem Netzwerk für Disability Studies vor. Schließlich wollten wir der Diskussion und Identifizierung von Problemen und Handlungsspielräumen viel Zeit geben und eine Resolution zum Erhalt von ZeDis behandeln, die an uns herangetragen wurde.

Einzelne Teilnehmer-innen berichteten von ihren Erfahrungen mit den Disability Studies an ihren Bildungseinrichtungen. In den unterschiedlichsten Disziplinen wird bereits im Sinne der Disability Studies gearbeitet. Es gibt einige sehr interessante Initiativen in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland, aber es drohen auch Rückschläge. Vor allem das einmal Erreichte, wie der Lehrstuhl an der Universität zu Köln oder der Schwerpunkt in den Erziehungswissenschaften an der Universität Wien, hängt oft an einzelnen Personen. Nach deren Pensionierung gehen diese verloren. Aber auch die Beendigung von befristeten Förderungen wie beim ZeDiSplus in Hamburg stellen ein Problem dar. Andere Problemlagen ergeben sich durch fehlende wissenschaftliche Anerkennung, fehlende Forschungsprogramme oder Vereinnahmungen unterschiedlichster Art. Bertold Scharf stellte die Resolution zum Erhalt von ZeDis in Hamburg vor. Das Dokument ist unten downloadbar.

Das Ziel, sichtbarer zu werden und deutlicher aufzutreten, wird formuliert. Die Idee einer Kampfschrift oder eines Manifests wird eingebracht. Als Ausgangspapiere sollen das im Jahr 2019 formulierte Positionspapier von DiStA (siehe DiStA-Startseite) sowie die Resolution zum Erhalt von ZeDis dienen. In Kürze wird eine Arbeitsgruppe dazu eingerichtet.

Ziel des Treffens war es, Menschen zusammenzubringen, die im Bereich der Disability Studies in Österreich und anderen deutschsprachigen Ländern arbeiten. Dies hat sich voll erfüllt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit für das Manifest und ein baldiges Wiedersehen – persönlich oder online.

Personen, die Kontakt zu DiStA (Disability Studies Austria, Forschung zu Behinderung, Österreich) und/oder zu Netzwerk Disability Studies suchen, können sich gerne melden bei angela.wegscheider@jku.at oder Bertold-Peter.Scharf@hs-bremen.de.

4. Österreichische Inter- und Transdisziplinäre Dis/Ability Forschungswerkstatt — Wie ist es gelaufen? Ein Nachbericht

Am 23. Mai 2025 fand die 4. Österreichische Inter- und Transdisziplinäre Dis/Ability-Forschungswerkstatt statt. Diesmal war sie wieder vollständig online. Es nahmen 27 Personen teil, darunter Studierende, Wissenschaftler-innen sowie Personen aus der Praxis. Die Forschungswerkstatt wurde von Laura Hochsteiner, Andreas Jeitler, Michaela Joch, Rahel More und Angela Wegscheider organisiert.

In diesem Jahr wurde der Workshop-Charakter durch längere Slots stärker betont. Innerhalb von 15-20 Minuten wurde ein Beitrag vorgestellt und anschließend von der jeweiligen Workshop-Moderatorin und den Anwesenden vertiefend diskutiert. Ziel war die Förderung einer konstruktiven Feedbackkultur sowie der Austausch zwischen den Teilnehmenden.

Behinderung und Armut in österreichischen Haushalten

Nach der Begrüßung durch Rahel More, moderierte Laura Hochsteiner den ersten Beitrag. Carmen Walenta-Bergmann und Angela Wegscheider (JKU Linz) stellten ihr Forschungsprojekt zu Behinderung und Armut in österreichischen Haushalten vor. Sie untersuchten unter Auswertung von EU-SILC Daten das Risiko von Einkommensarmut bei Haushalten mit behinderten Mitgliedern in Österreich. Dabei stellten sie fest, dass dieses Risiko nicht vollständig durch die typischen sozioökonomischen Merkmale erklärt werden kann, sondern, dass es eine unerklärte Armutsgefährdungslücke gibt. Sie warfen die Frage auf, ob Behinderung an sich ein Faktor ist und ob der österreichische Wohlfahrtsstaat ableistisch ist. Es folgten vor allem Fragen zur Datenauswertung und Anregungen, u.a. zur Einbeziehung von Gender, Care Arbeit oder die inhaltliche Ergänzung durch qualitative Erhebungen.

Projekt zu (sexualisierter) Gewalt im sozialen Nahraum an Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen in Südtirol

Im zweiten Slot, der von Rahel More moderiert wurde, stellte Julia Ganterer (Uni IBK) ihre Arbeit zur Gewaltforschung und ihr geplantes Projekt zu (sexualisierter) Gewalt im sozialen Nahraum an Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen in Südtirol vor. Das partizipativ angelegte Projekt soll den Fokus auf die Entstehungsbedingungen, Kulturen des Schweigens und Meldehemmnisse im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen im sozialen Umfeld legen. Ein wichtiges Ziel der Studie soll sein, mit diesen Erkenntnissen präventive Maßnahmen inklusiv gestalten zu können. Die Diskussion war rege, da einige Anwesende zu ähnlichen Themen arbeiten. Es wurden u.a. Erfahrungen eingebracht, wie die Erhebung inklusiv gestaltet und body mapping als Methode verwendet werden könnte. Darüber hinaus wurde die Wichtigkeit positiver Zugänge zu Sexualität, das Einbeziehen von Fachpersonal von GSE und (Selbstvertretungs-)vereinen, sowie die Berücksichtigung (mangelnder) Zugänglichkeit von sexueller Bildung neben Täter*innenrollen betont.

Nutzung von Assistierenden Technologien im Alltag von Menschen mit Behinderungen

Nach der Mittagspause moderierte Michaela Joch den dritten Slot zur Nutzung von Assistierenden Technologien im Alltag von Menschen mit Behinderungen. Anna Ajlani (JKU Linz) stellte ihr Dissertationsprojekt vor, das im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekt Assistive Technologies Lab (ATLab) verfasst wird. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erfahrungen von Menschen mit Print Disabilities, welche einen stark textbasierten Kommunikationsstandard über alle gesellschaftlichen Bereiche hinweg navigieren müssen. Print Disabilities meint dabei ein breites Verständnis von Lese- und Sehbehinderungen, darunter z.B. Blindheit,  Dyslexie, aber u.a. auch kognitive Beeinträchtigungen oder eine eingeschränkte Handfunktion. Sie erforscht wie Menschen mit Print Disabilities assistierende Technologien im Alltag kreativ modifizieren und zweckentfremden, um ihre Teilhabe in Bildung, Arbeit und Freizeit trotz mangelnder Zugänglichkeit zu verbessern. Methodisch greift sie auf qualitative Interviews und ethnografische Beobachtungen zurück (u.a die Methode der Story Completion). Es folgte eine rege Diskussion zur Offenlegung von Behinderungen und zur Theorie Crip Spacetime. Es wurde darüber hinaus gemeinsam überlegt, wie man eine diverse Gruppe von Menschen mit Print Disabilities am besten erreichen kann.

Vernetzungsaufruf zu Disability History in Museen

Im letzten Slot, der von Angela Wegscheider moderiert wurde, stellte Jennie Carvill Schellenbacher die Arbeit des Hauses der Geschichte Österreichs und des Wien Museums zu Disability History und die Arbeit in Bezug zu Barrierefreiheit vor. Das zentrale Anliegen ihres Beitrages ist die Vernetzung zu Disability History in Museen. Sie und Vanessa Tautter wollen eine Arbeitsgruppe gründen, die sich mit der Geschichte von Behinderung in musealen Kontexten beschäftigt, um Austausch, Best Practices und Sichtbarkeit von Disability History in Museen zu fördern. Wichtige Beiträge zu inhaltlicher Barrierefreiheit, Storytelling, institutioneller Verankerung folgten, abgerundet durch weitere Beispiele aus der Museumsarbeit. Das erste online Arbeitsgruppentreffen zu Disability History in Museen ist für 16.06.2025 um 16h geplant. Für den Zugangslink, bitte um Anmeldung bei jennie.schellenbacher@wienmuseum.at.

Den Abschluss der Forschungswerkstatt bildete ein Überblick über die Arbeit von DiStA und die Einladung zur aktiven Mitarbeit. Disability Studies Austria – DiStA – ist eine Arbeitsgruppe und Koordinationsplattform von Menschen, die im Sinne der Disability Studies forschen und arbeiten. Das nächste Treffen findet im Zuge der ALTER Conference am 8. Juli um 10:30h im Agnes-Heller-Haus, Innrain 52a Innsbruck und auch hybrid statt. Bitte um Anmeldung für den Zugangslink bei angela.wegscheider@jku.at

Wir danken allen Teilnehmenden und Vortragenden für ihre Beiträge und die gemeinsame Veranstaltung! In den kommenden Wochen werden auf dem DiStA-Blog einige der Vortragenden ihre Beiträge veröffentlichen.

 

Bericht zur DiStA Forschungswerkstatt 2024

Collage bestehend aus Screenshots aus Fotos einiger online Vortragenden und Aufnahmen vor Ort.

Bericht über die dritte Österreichische Inter- und Transdisziplinäre Dis/Ability-Forschungswerkstatt am 21. Juni 2024

Verfasst von Marlene Krubner, Universität Wien

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Zentrums Integriert Studieren an der Universität Graz fand am 21. Juni 2024 die dritte Österreichische Inter- und Transdisziplinäre Dis/Ability-Forschungswerkstatt statt. Die Hybrid-Veranstaltung, an der online und vor Ort bis zu 57 Studierende und Wissenschaftler:innen teilnahmen, wurde dieses Jahr von Andreas Jeitler, Barbara Levc, Rahel More und Angela Wegscheider organisiert. Ziel war es, aktuelle Projekte und Fragestellungen zum Thema Dis/Ability in Österreich zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.

Nach der Begrüßung durch Barbara Levc und das FOWE-Team hielt Volker Schönwiese eine Keynote zu Disability Studies und Disability Research in Österreich, in der er auch auf den Hintergrund von DiStA einging und aktuelle Herausforderungen thematisierte.

Angela Wegscheider moderierte dann den ersten Slot, der sich ebenfalls mit Disability History beschäftigte. Elisa Heinrich (Uni Innsbruck) eröffnete mit einem Vortrag über feministische Debatten um Nicht/Behinderung in den 1980er-Jahren. Vanessa Tautter präsentierte anschließend das Disability History Project am Haus der Geschichte Österreich.

Der zweite Slot, moderiert von Andreas Jeitler, widmete sich der Inklusionsgestaltung. Michaela Joch (WU Wien) präsentierte ihre Forschungsergebnisse zu den Einschätzungen der Behindertenvertrauenspersonen zur Inklusion im Wissenschafts- und Universitätskontext. Nikolaus Hauer (Uni Wien) stellte sein Forschungskonzept zu Inklusionserfahrungen von Menschen mit Lernschwierigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in Österreich vor. Heidi Ulm präsentierte, wie die interdisziplinäre Masterlehrveranstaltung INNklusion an der Uni Innsbruck abgehalten wurde. Der Fokus lag dabei auf der Entwicklung von Assistenzlösungen für Menschen mit Behinderungen.

Nach der Mittagspause moderierte Rahel More den dritten Slot zum Thema Ableismus. Laura Hochsteiner (Uni Graz) stellte ihre Masterarbeit „The World Will Finally See Us as We Are“—Dis/ability and Life Writing: Taking Control of the Narrative in Alice Wong’s Year of the Tiger vor, in der sie sich kritisch mit dem gegenwärtigen Ableismus im US-amerikanischen Kontext auseinandersetzt. Valerie Sophie List (BSU St. Pölten) präsentierte anschließend, wie Ableism sensible Lehre an Hochschulen funktionieren kann, ein Thema, zu dem sie gerade eine Masterarbeit verfasste.

Den vierten und letzten Slot zur Inklusiven Pädagogik moderierte Barbara Levc. Simone Jäger (Uni Klagenfurt) präsentierte die Ergebnisse ihrer Masterarbeit zu Inklusion und Selbstbestimmung in stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen aus verschiedenen Perspektiven. Silvia Kopp-Sixt (PH Steiermark) stellte vor, wie Akteursnetzwerke als Reflexionsinstrument funktionieren und erläuterte das Projekt „Governance Inclusive Education“.

Andreas Jeitler moderierte den Abschluss der gelungenen Veranstaltung und lud zu einem gemütlichen Ausklang und Austausch ein. Ideen und Anregungen für die Vernetzung über die Forschungswerkstatt hinaus wurden während der Veranstaltung auf einem Padlet gesammelt und umfassten u.a.:

  • Relevanz von DS-Forschung an den Universitäten
  • Übersicht über partizipativen/inklusiven Lehrveranstaltungen in Österreich
  • KI in der Recherche und DS-Forschung
  • Museen und Barrierefreiheit
  • Partizipative Forschung und gesundheitsbezogene Themen
  • Internationaler Vergleich zu Behindertenvertrauenspersonen an Universitäten

Wir danken allen Teilnehmenden und Vortragenden für ihre Beiträge und die gemeinsame Veranstaltung! In den kommenden Wochen werden auf dem DiStA-Blog einige der Vortragenden ihre Beiträge verschriftlichten und veröffentlichen. Bereits erschienen ist der erste Beitrag Inklusive Hochschule? von Valerie Sophie List.