Das Erbe des Nationalsozialismus spürt man in der Behindertenhilfe noch immer

Blogbeitrag auf derstandard.at von Petra Flieger am 24. Juli 2017

Differenzierung, Abgrenzung und Aussonderung dominieren die Kultur des Umgangs mit behinderten Kindern und Erwachsenen in Österreich

Im März präsentierte das Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie eine Studie über behinderte Kinder und Jugendliche in der Wiener Psychiatrie und arbeitete erstmals ausführlich historisch und sozialwissenschaftlich die Gewalt und den Missbrauch in Einrichtungen der österreichischen Behindertenhilfe auf. Untersucht wurden einerseits Pavillon 15 des Psychiatrischen Krankenhauses auf der Baumgartner Höhe, andererseits die Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder unter der Leitung von Andreas Rett, die ab 1975 am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel untergebracht war. Unter anderem berichtete DER STANDARD über die Studie, doch eine ausführliche Diskussion über die Ergebnisse blieb bislang völlig aus. Dafür müsste vor allem eine Auseinandersetzung darüber stattfinden, welche Konsequenzen das nun öffentlich vorliegende Wissen über den menschenverachtenden Umgang mit behinderten Kindern im Österreich der Nachkriegszeit bis heute hat.

Weiterlesen auf: derstandard.at/2000061481891/Das-Erbe-des-Nationalsozialismus-spuert-man-in-der-Behindertenhilfe-noch

Studie zu Inklusivem Gedenken

In einer Studie wurden in Österreich gehörlose und lernbeeinträchtigte Menschen zu ihrer Wahrnehmung von Gedenkarbeit an T4-Tötungsanstalten befragt. Studierende der Johannes Kepler Universität Linz (Oberösterreich) erhoben Erfahrungen, Gefühle, Wahrnehmungen und Wünsche in Bezug auf den Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim. Das Forschungsprojekt soll die Entwicklung von inklusiv gestalteten Angeboten an der NS-Tötungsanstalt für „lebensunwertes Leben“ vorantreiben.

Die Nazis ermordeten zwischen Mai 1940 und August 1941 rund 18.000 Personen als „arbeitsunfähig“ eingestufte Menschen mit Behinderungen und psychisch Kranke in Schloss Hartheim, einer ehemaligen Behinderteneinrichtung. Zu den ersten Opfern gehörte ein Teil der zuvor in Hartheim betreuten Menschen. Die Tötungen behinderter Menschen in den Tötungsanstalten wurde 1941 offiziell gestoppt. Die Gaskammer in Hartheim nützten die Nazis dennoch bis 1944 weiter. Aufgrund von Kapazitätsengpässen in Konzentrationslagern wurden rund 12.000 kranke oder arbeitsunfähige ZwangsarbeiterInnen und andere Häftlinge aus Mauthausen, Gusen und Dachau nach Hartheim deportiert und dort ermordet.

Seit 2003 ist im Schloss ein Lern- und Gedenkort eingerichtet, der über den Massenmord und seine Geschichte informiert und in der Dauerausstellung „Wert des Lebens“ aktuelle Fragestellungen aufwirft und diskutiert. Der Betrachtungszeitraum der Ausstellung erstreckt sich vom Zeitalter der Aufklärung bis zur Gegenwart, thematische wird von der Sortierung der Menschen in ökonomisch „Brauchbare“ und „Unbrauchbare“ ausgegangen. Dies begann schon an Beginn der Industriegesellschaft. Die Ausstellung endet mit aktuellen Forderungen nach gesellschaftlicher Gleichstellung behinderter Menschen.

Vor dem historischen Hintergrund und wegen dem Anspruch nach Einziehung von Menschen mit Behinderungen in alle Lebensbereiche – nicht zuletzt durch die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention – ist die Idee von inklusiv gestaltetem Gedenken für den Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim von großer Relevanz. Inklusives Gedenken versucht aber nicht nur, vorhandenes Wissen barrierefrei weiterzugeben, sondern will die Menschen auch aktiv in den Prozess des Gedenkens einbinden.

Es gab zwei Präsentationen der Ergebnisse mit anschließender Diskusstion. Eine Präsentation war in Leichter Sprache und wurde in Gebärdensprache übersetzt im Institut Hartheim. Die zweite Präsentation war mit Unterstützung von Gebärdensprachdolmetscherinnen im Linzer Gehörlosen Sport und Kulturverein.

CRIP MAGAZINE CONVENTION 2./3. Juni 2017

Crip Magazine Convention initiiert von Eva EGERMANN von Fr. 02. 06. 2017 18.00–21.00

Präsentation des Crip Magazine #2 – Crip Art Resources und Beiträge zu Crip-Popkultur, Kunst und radikalen sozialen Bewegungen

Sa. 03. 06. 2017 13.00–18.30 Paneldiskussionen, Netzwerktreffen

Im Kunstpavillon der Tiroler Künstler*schaft, Rennweg 8a, Innsbruck

Das Künstlerhaus Büchsenhausen veranstaltet am Freitag 2. und Samstag 3. Juni 2017 im Rahmen der Ausstellung Die Gegenwart in Rückspiegeln betrachten im Kunstpavillon der Tiroler Künstler*schaft in Innsbruck die Crip Magazine Convention.

Die zweitägige Veranstaltung, die von diesjährigem Fellow des Künstlerhauses Büchsenhausen Eva Egermann organisiert wird, widmet sich der Relevanz von alternativen Darstellungen von Krankheit und Behinderung in Kunst, Jugendkultur und Alltagswelt und fragt nach alternativen Repräsentationen und Visueller Kultur von Crip-Subjekten.

Das Crip Magazine ist ein selbstpubliziertes Magazin und eine Sammlung von Materialien zu Crip-Themen, Kunst- und Kulturproduktion und Repräsentationen im Widerspruch zu Norm/Abnorm-Verhältnissen. Die Beiträge beschäftigen sich mit Crip-Popkultur, Kunst und radikalen sozialen Bewegungen, haben Schmerz zum Thema oder eröffnen eine transformative Perspektive auf Body-Issues und körperliche soziale Beziehungen. Die Perspektive zu ändern, ermöglicht alternative Lesarten, Bildproduktionen und Einschreibungen.  

Veranstaltungsdetails:

Freitag 02. 06. 2017, 18.00 bis 21.00 Präsentation des Crip Magazine # 2 von Eva Egermann

Lesung: Philmarie Theatdaggres verkrüppelte Kurztexte aus seinen/ihren „literarischen Umsturzversuchen“

Screening: HYPER HYPER ICH Id. Iris Borovčnik (Kurzfilm 16 Min., 2016. Deutsch mit engl. Untertiteln)

im Anschluss: DJ-line: Ian Thym, Jonah I. Garde, Eva Egermann

Sa. 03. 06. 2017, 13.00 bis 18.30 Paneldiskussionen, Netzwerktreffen

Der zweite Tag der Crip Magazin Convention versammelt Theoretiker*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen in Paneldiskussionen. Die Gespräche widmen sich der Relevanz von alternativen Darstellungen von Krankheit und Behinderung und fragen nach einer Visuellen Kultur von Crip Subjekten. Es werden inhaltliche Motive herausgearbeitet und Möglichkeiten ausgelotet, das Crip Magazine als umkommerzielle künstlerische Plattform weiterzuführen.

Genauere Infos zum Programm demnächst auf: www.buchsenhausen.at

Die Veranstaltung ist barrierefrei zugänglich. Für nähere Infos und bei Dolmetsch-Bedarf (Gebärde/ Audio/ Schrift/ Leichte Sprache) bitte um Kontaktaufnahme.

Projekt: Geschichte der Behindertenbewegung-Selbstbestimmt-Leben-Bewegung in Österreich

POSTER_Projekt_Geschichte_SLB

Kommen Sie zur Präsentation in SALZBURG am 24.03.2017 von 15 bis 18 Uhr, Unipark, Erzabt-Klotz-Straße 1 U1.003 E.003 (Georg-Eisler-Hörsaal)

oder zur Präsentation in WIEN am 13.05.2017 von 15 bis 18 Uhr, Hörsaal 1, Institut für Bildungswissenschaft Sensengasse 3a (1. stock) barrierefreier Eingang an der Rückseite des Gebäudes

So wie in der Zwischenkriegszeit fordern seit 1945 in Österreich Selbsthilfebewegungen von Menschen mit Behinderungen Soziale Rechte. Neue Bewegungen ab den 1970er-Jahren orientieren sich an Gleichstellung und Menschenrechten. Die Geschichte dieser Bewegungen ist bisher nicht geschrieben und Dokumente sowie Interviews dazu werden nun als online-Plattform auf bidok.at präsentiert. Bei den Präsentationen soll das Projekt vorgestellt und mit ZeitzeugInnen Behindertenpolitik bis heute in den Blick genommen werden.

Das Netzwerk-Buch. Männer und Frauen mit Lernschwierigkeiten vertreten sich selbst.

Selbstbestimmt Leben Innsbruck / Netzwerk Selbstvertretung Österreich (Hrsg.):

Das Netzwerk-Buch.

Männer und Frauen mit Lernschwierigkeiten vertreten sich selbst.

AG SPAK Verlag, 2016.

Für mehr Informationen siehe: http://www.agspak-buecher.de/epages/15458842.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/15458842/Products/%22M%20311%22

BIZEPS-Kongress „Gleichstellung vor dem Gesetz und im Alltag“ am 17. Jänner 2017

Nach 11 Jahre Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) konnten schon viel Erfahrung  über die Stärken und Schwächen dieses Gesetzes gesammelt werden.

Trotz vieler guter Absichten muss leider gesagt werden, dass sich die Gleichstellung bisher nur unzureichend eingestellt hat. Obwohl fast alle Übergangsfristen abgelaufen sind, gibt es Bereiche, wo keine klare Veränderung erkennbar ist. Dieser Kongress soll über aktuelle Themen im Bereich der Gleichstellung informieren.

Mehr Info und Programm: https://www.bizeps.or.at/bizeps-kongress-gleichstellung-von-dem-gesetz-und-im-leben-am-17-jaenner-2017/

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Einladung zu Projektpräsentationen – zur Geschichte der Behindertenbewegung-Selbstbestimmt-Leben-Bewegung in Österreich

Präsentationen

  1. in SALZBURG am 24.03.2017 von 15 bis 18 Uhr, Unipark, Erzabt-Klotz-Straße 1 U1.003 E.003 (Georg-Eisler-Hörsaal)
  2. in WIEN am 13.05.2017 von 15 bis 18 Uhr, Hörsaal 1, Institut für Bildungswissenschaft Sensengasse 3a (1. stock)

barrierefreier Eingang an der Rückseite des Gebäudes

So wie in der Zwischenkriegszeit fordern seit 1945 in Österreich Selbsthilfebewegungen von Menschen mit Behinderungen Soziale Rechte. Neue Bewegungen ab den 1970er-Jahren orientieren sich an Gleichstellung und Menschenrechten. Die Geschichte dieser Bewegungen ist bisher nicht geschrieben und Dokumente sowie Interviews dazu werden nun als online-Plattform auf bidok.at präsentiert. Bei den Präsentationen soll das Projekt vorgestellt und mit ZeitzeugInnen Behindertenpolitik bis heute in den Blick genommen werden.

Einladung_Praesentation _Geschichte_Behindertenbewegung

Call for open access papers on ‚Disability Equality: in theory and practice‘

Social Inclusion, Volume 6, Issue 1 (special issue)

Title: Disability Equality: In Theory and Practice

Editor: Mark Priestley (University of Leeds, UK)

Deadline for Abstracts: 1 April 2017
Submission of Full Papers: 15 to 30 September 2017
Publication of the Issue: February/March 2018

http://www.cogitatiopress.com/ojs/index.php/socialinclusion/pages/view/nextissues#disabilityequality

Information: The focus of this thematic issue is on ‘disability equality’—as a multi-dimensional theoretical construct, as a tool for rights-based advocacy and as a framework for monitoring evidence of social inclusion.

Much has been written about the historic shift that has taken place in thinking about disability as a social issue over recent decades. The influence of ‘social model’ approaches has been immense in this respect, providing the analytical lens through which disability is now more often viewed as institutional discrimination and oppression than as individual deficit or personal tragedy. This transformation was inspired both by a critique of disabling barriers and by a vision of a more equal and inclusive society— a vision for ‘full participation and equality’.

The rights-based advocacy of disabled people’s movements has both inspired this way of thinking and given it focus through substantive claims to political and social equality. In the decade since implementation of the United Nations Convention on the Rights of Persons with Disabilities (CRPD) the expectation that such claims exist ‘on an equal basis with others’ has been consolidated. At the same time, the evidence base has grown with an increase in equality monitoring of policies and outcomes for disabled persons.

Theorising within disability studies has continued to explore what disability, disablement or ableism means, and the multitude of ways in which it is experienced, but there is a need to reflect also on what ‘full participation and equality’ really means. How should we understand the concept of ‘disability equality’, how useful is it and how can it be assessed or measured? Ten years on from the CRPD what progress has been made towards disability equality, what remains to be done and how should we approach the task?

This issue is based on an open call for papers with an interdisciplinary scope to consider disability equality as, for example, equal recognition, equal treatment, equal access to resources and environments, or equality of outcomes. Both theoretical and empirical contributions are relevant to addressing this in local, national or international contexts.
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Call for Papers: SHLD Conference 2017

20th and 21st July 2017, The Open University, Milton Keynes

Doing research on the social history of learning disability: Learning Lessons

We are delighted to announce that the next Social History of Learning Disability Conference will be held at the Open University in Milton Keynes on 20th and 21st July 2017.

The theme of the conference is ‘Doing research on the social history of learning disability: Learning Lessons’. The Call for Papers information document can be found on the Conference website, http://www.open.ac.uk/health-and-social-care/research/shld/conferences/conference-2017

Please submit your accessible abstract by Friday 31st March to: Catherine Pibworth at Shld-conference@open.ac.uk or by post to Catherine Pibworth, Faculty of Wellbeing, Education and Language Studies, The Open University, Milton Keynes, MK7 6AA.

Guidance for writing an accessible abstract and presentation can also be found on the Conference website.

 

CfP: Medikalisierte Kindheiten – Die neue Sorge um das Kind vom ausgehenden 19. bis ins späte 20. Jahrhundert.

Internationale Konferenz vom 29. Juni bis zum 01. Juli 2017 an der Universität Innsbruck

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Veranstalter und Kooperationspartner:
Verein für Sozialgeschichte der Medizin – Wien
Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck
Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck
Forschungsplattform Geschlechterforschung: Transformationen – Identitäten – Diskurse der