Trotz Fleiß kein Preis? Akademiker:innen mit Behinderungen und ihr Zugang zu künstlerischen und wissenschaftlichen Karrieren

Ableismus kann salopp als Behindertenfeindlichkeit übersetzt werden. Nicole Brown ging am 18. Jänner 2021 in ihrem Online-Vortrag der Frage nach, warum Ableismus an der Universität endemisch ist und was Einzelne bzw. die Institution dagegen tun können.

Nicole Brown kommt ursprünglich aus der Steiermark, lebt schon lange in London. Sie arbeitet als Lektorin am Institute of Education des University College London und ist Leiterin von Social Research & Practice and Education, einer privaten Forschungseinrichtung. Brown hat bereits aus unterschiedlichen Perspektiven zu Ableismus in Academia publiziert. Ihr Vortrag im Jänner war in deutscher Sprache, das davon erstellte Video ist untertitelt: https://www.youtube.com/watch?v=R7FGuX0XLwY&feature=youtu.be

Brown stützte ihre Präsentation auf ihre Forschungsprojekte zur Arbeitssituation von Personen mit Behinderungen, Neurodiversitäten und chronischen Erkrankungen an Universitäten. Ihrer Meinung nach fehlen die Vorbilder, aber auch der Zugang zu Unterstützungsstrukturen. In den Bachelor-Studiengängen gibt es noch relativ viele Studierende mit Behinderungen, aber bei jedem Übergang fallen potentiell für die Wissenschaft geeignete Personen heraus. Jene Personen mit Behinderungen, die es schaffen, sich an der Universität zu etablieren, wollen sich nicht outen. Sie haben Angst vor den Nachteilen und sehen auch keinen Nutzen darin. Ein Grundproblem für Brown ist die ungleiche Kosten-Nutzen-Rechnung zwischen den persönlichen und sozialen Kosten und dem gewonnenen Nutzen der Offenlegung.

Den Universitäten empfiehlt sie den strategischen Schwerpunkt Gleichstellung, Diversität und Inklusion zu etablieren und ja keine Tokenisierung zu betreiben. Unter Tokenisierung versteht Brown, dass Institutionen nur alibimäßig etwas im Bereich von Gleichstellung, Diversität und Inklusion umsetzen, statt umfassende Prozesse zur Veränderung einzuleiten. Damit wollen sie vermeiden, wegen Diskriminierung belangt zu werden. Die Situation wird damit aber nicht echt verbessert und auch keine Veränderung der Institution eingeleitet. Brown regt an zur Umsetzung des Schwerpunktes die Entwicklung von Regeln mit klaren Zielvorgaben. Mit diesen Vorgaben für Barrierefreiheit, Unterstützung und Anerkennung haben Personen die Möglichkeiten diese einzufordern bzw. bei Nichteinhaltung jemanden zur Rechenschaft zu ziehen. Am Ende des Vortrages ist Brown optimistisch: Sie sagt zwar, dass die Probleme der Wissenschaftler:innen mit Behinderungen groß sind, aber auch, dass schon einiges erreicht worden ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.