Kategoriearchiv: Allgemein

Neuer Artikel zu Siegfried Brauns Widerstand und Selbstbehauptung im Holocaust

Der Artikel „I Will Keep My Convictions, My Conscience, My Sense of Responsibility, and My Philanthropy“ – Resistance of a Disabled Person in the Holocaust von Angela Wegscheider und Marianne Hirschberg ist soeben im Journal of Literary & Cultural Disability Studies erschienen. Das Journal ist leider nicht open access. Wer sich für den Artikel interessiert und keinen Zugang zum Journal hat, kann sich gerne bei angela.wegscheider@jku.at melden.

Ausgangspunkt der Untersuchung sind die von Volker Schönwiese im Archiv Theresienstadt gefundenen Tagebuchfragmente von Siegfried Braun (1893–1944), einem Aktivisten der frühen österreichischen Behindertenbewegung. Der Mann mit Behinderungen jüdischer Herkunft, der einen Rollstuhl und persönliche Assistenz nutzte, war 16 Monate im nationalsozialistischen KZ-Lager und Ghetto Theresienstadt inhaftiert. Der Artikel analysiert seine autobiografischen Aufzeichnungen und zeigt, wie Braun den diskriminierenden und menschenverachtenden Bedingungen im Lager begegnete und Formen des Widerstands entwickelte.

Trotz der extremen Lebensbedingungen versuchte Braun, aktiv zu bleiben. Er hat sich am illegalen Bildungsprogramm beteiligt und andere Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen unterstützt. Seine Aufzeichnungen dokumentieren zudem ein selbstbewusstes Verhältnis zur eigenen Behinderung sowie den Versuch, seine Autonomie und persönlichen Überzeugungen auch unter den Bedingungen nationalsozialistischer Verfolgung und existenzvernichtender Lebenslage zu bewahren.

Der Beitrag trägt dazu bei, die Forschungslücke zur Geschichte des Widerstands von Menschen mit Behinderungen während der NS-Zeit zu verkleinern. Er macht eine weitgehend vergessene Perspektive sichtbar und widerspricht den oft verwendeten historischen Deutungen, die Menschen mit Behinderungen als passive Opfer darstellen.

Zum Artikel: Wegscheider & Hirschberg (2026), Journal of Literary & Cultural Disability Studies

Ausstellung: Blut und Kaffee / Blood and Coffee

A…kademie der bildenden Künste Wien
Exhibit Galerie

13.11.2026–14.2.2027
Eröffnung am / Opening : 12.11.2026, 18–22 h

Künstler_innen / Artists
Leah Clements, Eva Egermann, JJJJJerome Ellis, Ianina Ilitcheva, Katrin Lock, Mariette Moor, Philipp Muerling, Bernd Oppl, Lizzy Rose, Rosa-Johan Uddoh, Marianne Vlaschits

Kuratorinnen / Curators
Mariana Lemos, Marianne Vlaschits

Ausstellungsflyer Blood and Coffee / Blut und Kaffee

Blut und Kaffee / Blood and Coffee versammelt regionale und internationale Künstler:innen, die sich mit Behinderung, Krankheit, Verkörperung und Entkörperung auseinandersetzen. Durch verschiedenste Medien – von Fotografie und Skulptur bis hin zu Malerei und Performance – erkundet die Ausstellung Sprache, Zitat, Referenz und Barrierefreiheit als Spielformen der ‚Crip Relation‘ und zeichnet nach, wie Künstler*innen die Techniken und Strategien der anderen über Zeit und Raum hinweg aufgreifen, würdigen und weitertragen. Geister, Heimsuchungen und materielle Spuren durchziehen die Arbeiten, ebenso wie Stottern, Fragmentierung, Verschwinden, Übersetzung und Missverstehen. Die Ausstellung schafft Raum für ‚Crip Time‘, Protest, Schwermut und schwarzen Humor und stellt unterschiedliche Kontexte, Netzwerke und historische Entwicklungen in Beziehung zueinander.
Exhibit Gallery, 1st floor Schillerplatz 3, 1010 Vienna www.akbild.ac.at

Blut und Kaffee / Blood and Coffee brings together local and international artists working across disability, illness, embodiment and disembodiment. Through diverse media approaches – from photography and sculpture to painting and performance – the exhibition explores language, citation, reference and access as forms of crip relation, tracing how artists echo, honour and carry one another’s practices across time and space. Ghosts, hauntings and material traces run through the works, alongside stuttering, fragmentation, disappearance, translation and misunderstanding. The exhibition makes space for crip time, protest, sadness and dark humour, bringing different histories, contexts and networks into relation.

Access materials for the exhibition will be provided.

The exhibition space has step-free access via the back door and lift, and the exhibition itself is step-free. Access information here

Nachbericht: Online-Netzwerktreffen Disability Studies am 23. Oktober 2026

Von Laura Hochsteiner

Am 23. Oktober 2026 wurde von 10 bis 14 Uhr das Netzwerktreffen Disability Studies über Zoom abgehalten. Die Veranstaltung war allgemein in zwei Blöcke geteilt: einen Fachvortrag und die Arbeitsgruppen.

Teil 1: Nach der Begrüßung hielt Johanna Knebel, die als Dissertantin an der Universität Leeds arbeitet und forscht, einen Fachvortrag zum Thema „Relational Voice – Epistemische Verantwortung in der Forschung mit Menschen mit Lernschwierigkeiten“. Dieser Impulsvortrag führte im Anschluss zu einem regen Austausch und einer interessanten Frage-und-Antwort-Runde.

Teil 2: Im Nachhinein berichteten die Mitglieder der einzelnen Arbeitsgruppen über ihre bisherigen Tätigkeiten und stellten ihre nächsten Schritte vor. Nach diesen überblickmäßigen Darlegungen wurden noch einige Veranstaltungshinweise gegeben. Im Zuge dessen wurde beispielsweise auf die „Disability Studies Konferenz 2027“ hingewiesen, die vom 23. bis 25. September 2027 an der Evangelischen Hochschule Bochum (EvH Bochum) mit dem Titel „De/Thematisierung von Dis/ability. Kritische Wissenschaft und Bewegungen in Zeiten der Entsolidarisierung“ stattfinden wird. Im Anschluss trafen sich die einzelnen Arbeitsgruppen, um ihre jeweiligen Themen und Aufgaben weiter zu bearbeiten.

Insgesamt nahmen mehr als 40 Forscher*innen aus dem deutschsprachigen Raum am Netzwerktreffen teil, darunter mehrere Mitglieder von DiStA. Das Netzwerk Disability Studies versammelt behinderte und nichtbehinderte Forschende aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Sie eint, dass sie Behinderung nicht als behandlungsbedürftiges Problem verstehen, sondern als gesellschaftliche Differenzkategorie untersuchen.

Teilausschnitt der vorderen Ansicht des Wiener Rathauses, Imagebild

Fachkonferenz „Queer intersektional gelesen“ in Wien

Die Wiener Antidiskriminierungsstelle (WASt) veranstaltet am Freitag, den 20. November 2026 von 9 bis 17 Uhr eine Fachkonferenz mit dem Titel „Queer intersektional gelesen“ im Wappensaal des Wiener Rathauses.

Webseite der WASt-Fachkonferenz und Programm: https://www.wien.gv.at/veranstaltungen/wast-fachkonferenz-2026

Die Keynote-Vorträge werden von Prof. Dr. Zülfukar Çetin, Evangelische Hochschule Berlin, und Travor Mukisa, Muntu Fundation Uganda, gehalten.  Die Vorträge, Talkrunden und Workshops werden von Expert*innen mit und ohne Behinderungen aus unterschiedlichen Bereichen gehalten. Die Veranstaltung liefert spannende Inputs und gibt Raum für intensiven Austausch.

Die Konferenz ist barrierefrei zugänglich und wird in ÖGS übersetzt.
Die Teilnahme an der Konferenz und am gemeinsamen Lunch ist kostenfrei.
Verbindliche Anmeldung ist erforderlich: Tel. +43-1-4000-81449 oder Mail: wast@post.wien.gv.at

Vereinsabzeichen, 1927. Auf dem regelmäßigen sechseckigen Abzeichen (Breite: 1,9 cm, mit Nadel zur Befestigung: 3,3 cm, Höhe: 1,7 cm) steht in der Mitte auf einem messingfarbenen Hintergrund mit schwarzer Schrift „ARBEIT NICHT MITLEID“. Im schwarzen Rahmen steht in heller Schrift „ERSTE OESTERR. KRÜPPELARBEITSGEMEINSCHAFT“. Foto: Fridolin Schönwiese

Einladung zur Ausstellungseröffnung „Rechte statt Almosen!“ 100 Jahre Behindertenbewegung in Österreich

 
Wann: Di. 29. September um 18:30 Uhr
Wo: Haus der Geschichte Österreichs
Anmeldung zur Ausstellungseröffnung: https://hdgoe.at/rechte-statt-Almosen
 
Vor 100 Jahren – am 19. August 1926 – wurde in Wien die „Erste österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft“ gegründet. Das Ziel des Vereins war die Interessensvertretung und die Emanzipation. Die Mitglieder forderten von der Politik Rahmenbedingungen für die Selbsthilfe, um gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft leben und arbeiten zu können.
 
Seit einigen Jahren forschen Volker Schönwiese und ich zu dieser frühen Behindertenbewegung. Auf Basis dieser Arbeit entsteht nun diese Wanderausstellung, die am 29. September 2026 erstmals präsentiert wird und bis zum 2. November im HdGÖ zu sehen ist. Die Ausstellung informiert über die Aktivitäten und die Personen dieser frühen Behindertenbewegung. Sie verdeutlicht die Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen, die häufig von Abwertung und Ausgrenzung geprägt waren. Sie zeigt aber auch, welche Ziele die Aktivist:innen der Behindertenbewegung in der Zwischenkriegszeit verfolgten.
 
Voraussichtlich Mitte/Ende 2027 wird in der Folge ein Buch über die umfangreiche Geschichte der österreichischen Behindertenbewegung erscheinen. Daran arbeiten Volker Schönwiese und Angela Wegscheider gerade. Mit Buch und Wanderausstellung wollen sie dann durch Österreich touren. Die Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben. 

Einladung Veranstaltung Ableism / Invitation to research event about ableism

[English version below]

Stop ableism now.Liebes DiStA-Netzwerk,

hiermit lädt das Team des Ableism-Forschungsprojekts herzlich zu unserer Forschungsveranstaltung über Ableismus, Feminismus und Intersektionalität ein:

2. Oktober 2026, 13:00 Uhr, Sensengasse 3a, 1090 Wien, Hörsaal 1.

Möchtet Ihr/möchten Sie mehr über Ableismus erfahren und darüber, wie man ihn aus der Perspektive von behinderten Frauen bekämpfen kann? Dann nehmt/nehmen Sie an unseren Vorträgen zu den folgenden Schwerpunkten teil:

  • Feministischer Behinderungs-Aktivismus
  • Kinder und Elternschaft
  • Inklusion am Arbeitsplatz
  • Stolz und Freude am Leben mit Behinderung
  • Sexualität und körperliche Selbstbestimmung

Diese Veranstaltung findet größtenteils auf Englisch statt. Die wichtigsten Inhalte werden auch ins Deutsche übersetzt. Vor Ort gibt es Getränke und kleine Snacks.

Unterstützungsbedarfe (z.B. ÖGS Dolmetschung oder online Teilnahme oder Allergien) bitte bei der Anmeldung angeben. Meldet euch/melden Sie sich bis 13. September 2026 an:

per E-Mail sabrina.podlaha@univie.ac.at

oder telefonisch 0043 4277 46792

Programm und nähere Informationen siehe in Einladung als PDF Download am Ende des Beitrags unten.


Dear DiStA-network,

the team of the ableism-research project invites you to our research event about ableism, feminism and intersectionality:

October 2nd 2026, 13:00, Sensengasse 3a, 1090 Vienna, Lecture hall 1.

Do you want to know more about ableism and how to challenge it from the perspective of disabled women? Then join us for presentations about:

  • Feminist disability activism
  • Children and parenting
  • Workplace inclusion
  • Disability pride and joy
  • Sexuality and body ownership

Please note that this event will mainly be held in English language. Drinks and light refreshments are provided.

Let us know your access needs (e.g. Austrian Sign Language Interpretation or online participation or allergies) when signing up. To attend this event please sign up until September 13th 2026:

via email sabrina.podlaha@univie.ac.at

or telephone 0043 4277 46792

Programme and further information see invitation as PDF download below.


Ableism Invitation_Einladung 2026

Reflexion zur DiStA-Forschungswerkstatt mit Studierenden

Wie jedes Jahr war die Forschungswerkstatt auch diesmal ein Angebot an Studierende, um aktuellen Forschungsperspektiven der Disability Studies niederschwellig kennenzulernen. Es nahmen u.a. Studierende aus dem Bachelor Erziehungswissenschaft an der Universität Klagenfurt teil im Rahmen eines Seminars zu internationalen Perspektiven auf Teilhabe, Inklusion und Selbstbestimmung teil. LVA-Leiterin Rahel More hat die Studierenden angeleitet, sich Notizen zur Forschungswerkstatt zu machen. Diese wurden in der Folgeeinheit aufgegriffen und gemeinsam diskutiert. In diesem Beitrag werden die Eindrücke der Studierenden gesammelt wiedergegeben.

Im Fokus der Reflexion der Studierenden über die Forschungswerkstatt standen u.a. folgende Wahrnehmungen und Aha-Momente:

  • Einerseits die grundsätzliche Zugänglichkeit der Veranstaltung für Teilnehmende mit unterschiedlichen Bedarfen, andererseits aber auch die vielen Fachbegriffe und Abkürzungen, die z.T. nicht von den Vortragenden erklärt wurden. Positiv hervorgehoben wurde hier v.a. der Beitrag von Oliver Suchanek und Lydia Kremslehner, die ihre Inhalte sehr zugänglich präsentierten.
  • Assistenztechnologien nicht ausschließlich unter dem Aspekt der Hilfestellung und Zugänglich, sondern auch mit kritischem Blick auf eine Defizitorientierung zu betrachten – hierzu konnte aus dem Beitrag von Leo Hosp viel Neues mitgenommen werden.
  • Die Relevanz der UN-BRK für alle bei der Forschungswerkstatt vorgestellten Themen.

Die Studierenden diskutierten in der Nachbesprechung zudem u.a. folgende Fragen:

  • Wie kann kritische Disability Studies Forschung stattfinden und Barrierefreiheit umgesetzt werden, wenn finanzielle Mittel umfassend gekürzt und Förderprogramme eingestellt werden?
  • Wie können mit Disability Studies Menschen erreicht werden, die in Praxisfeldern mit behinderten Menschen arbeiten?
  • Wie kann Natur zugänglich gestaltet werden (in Anlehnung an die Präsentation von Kay Kender)?
  • Was genau ist „White Autism“ und wo können wir mehr darüber lernen? Recherchen der Studierenden ergaben hierzu unterschiedliche Antworten, die z.T. auf andere Perspektiven verwiesen als jene, die in Verbindung zum Beitrag von Leo Hosp angesprochen wurden.

Kritisiert wurde von den Studierenden ein Nebenkommentar in der Diskussion, in dem im Zusammenhang mit einer Studienrichtung Kärnten als „da unten“ bezeichnet wurde. Die Studierenden hinterfragten diesbezüglich das Verhältnis von (Forschungs-)Zentrum und Peripherie in Österreich – gerade unter dem Aspekt der Inklusion. Insgesamt fanden die studentischen Teilnehmenden aus dem genannten Seminar die Forschungswerkstatt sehr interessant und gelungen und konnten aus ihrer Teilnahme neue Anregungen und Wissen mitnehmen.

Nachbericht zur DiStA-Forschungswerkstatt 2026

Am 29. Mai 2026 fand die 5. Österreichische Online Inter- und Transdisziplinäre Dis/Ability-Forschungswerkstatt von Disability Studies Austria (DiStA) statt. Als Zuhörer-in war es ein inspirierender Tag, der viele Eindrücke hinterlassen hat. Der wissenschaftliche Austausch, der kritischer Diskussion und die kreativen Inputs und Forschungsansätze war aufregend und förderte das Nachdenken über den gesellschaftlichen Umgang und das Denken über Behinderung und Nicht-Behinderung.

Die vom Crip Collective (TU Wien) organisierte Forschungswerkstatt stand unter dem Schwerpunkt „Austerität, Sozialabbau und Behinderung“. Gleichzeitig bot das Programm Raum für vielfältige Themen aus den Disability Studies.

Den Auftakt machte Veronika Bachleitner mit Überlegungen zu Zugehörigkeit in wissenschaftlichen Wissenskulturen. Der Beitrag richtete den Blick auf Forschungsumgebungen, in denen unterschiedliche Arten des Denkens und Wahrnehmens Anerkennung finden können.

Mit ihrem künstlerischen Forschungsprojekt „utterstutterclutter“ luden Ema Benčíková und Elena Lach dazu ein, Kommunikation kreativ wirken zu lassen. Statt von Defiziten in der Kommunikation zu sprechen, fragten sie danach, wie behinderte Kommunikation funktioniert und welche neuen Möglichkeiten daraus entstehen können.

Kay Kender zeigte in einem Vortrag zu Naturschutz und Faschismus auf, wie historische Vorstellungen von Natur bis heute den Zugang zu Naturerfahrungen beeinflussen. Der Beitrag machte deutlich, dass Fragen von Barrierefreiheit auch in Natur- und Umwelträumen eine wichtige Rolle spielen.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Schwerpunkts stand die Podiumsdiskussion zu den Folgen von Sparpolitik für behinderte Menschen. Die Diskussion verdeutlichte, wie eng politische Entscheidungen mit Fragen von Partizipation, Selbstbestimmung und sozialer Gerechtigkeit verbunden sind und welche Rolle Disability Studies dabei spielen können. Es diskutierten Ursula Naue, Pia Röhrer, Paulina Spelbrink und Florian Slansky. Katta Spiel moderierte.

Am Nachmittag sprach Leo Hosp über Autismus, sensorische Wahrnehmung und Technik. Besonders spannend war die Perspektive, dass Technik sowohl entlastend als auch belastend wirken kann und dass sensorische Erfahrungen kontext- und personenbezogen sind und im Zusammenspiel von Person, Umwelt und Technologie entstehen.

Den Abschluss bildete der Beitrag von Oliver Suchanek und Lydia Kremslehner über eine Accessible Kunstausstellung, die gemeinsam mit tauben und taubblinden Künstler-innen entwickelt wurde. Das Beispiel zeigte eindrucksvoll, wie Partizipation, Mitbestimmung und Barrierefreiheit kreative Prozesse und kulturelle Angebote bereichern können.

Die Forschungswerkstatt war thematisch vielfältig und kreativ gestaltet. Sie machte einmal mehr sichtbar, wie facettenreich Disability Studies in Österreich sind. Über unterschiedliche wissenschaftliche, künstlerische und aktivistische Zugänge kamen die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch. Die Forschungswerkstatt war wie immer ein Raum für gemeinsames Lernen, kritisches Nachdenken und solidarischen Austausch. Wir bedanken uns herzlich beim Crip Collective, allen voran bei Katharina Werner und Janis Lena Meißner für die Organisation und die Durchführung.

Stein der Erinnerung für die Krüppelarbeitsgemeinschaft

Am 20. Mai wurde an der Adresse Wickenburgasse 15 im 8. Wiener Gemeindebezirk Josefstadt ein Stein der Erinnerung für Siegfried Braun verlegt. Er war ein zentraler Initiator der frühen österreichischen Behindertenbewegung und steht stellvertretend für die über 60 anderen jüdischen Mitglieder der Ersten Österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft, die fast alle im Holocaust ermordet wurden.

Martin Landstätter hielt eine berührende Rede über das Leben von Siegfried Braun. https://www.ladstaetter.at/2026/05/25/meine-rede-zur-enthuellung-stein-der-erinnerung/   

 

Meine Rede zur Enthüllung: Stein der Erinnerung

Siegfried Braun (1893–1944) war ein österreichisch-tschechischer Behindertenaktivist jüdischer Herkunft und ein früher Vorkämpfer für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Nachdem er im Alter von zwölf Jahren durch eine Krankheit körperlich beeinträchtigt worden war und fortan auf einen Rollstuhl und persönliche Assistenz angewiesen war, erlebte er selbst die Abwertung und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen. Dies motivierte ihn, sich aktiv dagegen einzusetzen.

Im Jahr 1926 gründete er mit Gleichgesinnten die Erste österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft, die sich für Selbstvertretung, gesellschaftliche Teilhabe und Selbsthilfe in Form von bezahlter Arbeit von Menschen mit Behinderungen einsetzte. Unter dem Motto „Arbeit, kein Mitleid! Arbeit, nicht Siechenhaus!” organisierte die Vereinigung Informationsveranstaltungen, gab die Zeitschrift Der Krüppel heraus und schuf Arbeitsplätze in eigenen Werkstätten.

Siegfried Braun ist ein Beispiel für die vielen wenig beachteten Pioniere der Behindertenbewegung jüdischer Herkunft, die Opfer des NS-Regimes wurden.

Aktuell arbeiten Angela Wegscheider und Volker Schönwiese an einer Buchpublikation und einer Wanderausstellung zur 100jährigen Geschichte der Behindertenbewegung in Österreich. 

Die aktuell verfügbaren Informationen basieren auf

Termin-Ankündigung für das Netzwerktreffen Disability Studies

Save the Date 23.10.2026 von 10-14 Uhr online via ZOOM

DiStA ist Teil des deutschsprachigen Netzwerks Disability Studies. https://disabilitystudies.de/  

Auf dem vorläufigen Programm stehen der Austausch und Mitteilungen über aktuelle Entwicklungen in den DS sowie ein kleiner interaktiver Fachvortrag. Zudem ist Zeit für die Treffen der Arbeitsgruppen vorgesehen. 

Barrieresensible Gestaltung: 

Eine Schrift-Dolmetschung wird organisiert und alle Dokumente und Dateien werden im barrierearmen Format vor der Veranstaltung im Gesamtverteiler versendet. Weitere Barrierefreiheits-Anforderungen können bis zum 15.07.2026 hier angemeldet werden:

Janieta Bartz

E-Mail: janieta.bartz@hs-duesseldorf.de

Telefon/WhatsApp: 0170 7456640