100 Jahre Behindertenbewegung – Schwerpunktheft

Die Spezialausgabe der Stimme (Zeitschrift der Initative der Minderheiten) anlässlich 100 Jahre Behindertenbewegung in Österreich ist erschienen. Sie entstand in redaktioneller Kooperation mit Volker Schönwiese, Petra Flieger und Angela Wegscheider sowie bidok – der digitalen Bibliothek zu Behinderung und Inklusion.

Die Beiträge widmen sich der Geschichte der Ersten und Zweiten Behindertenbewegung in Österreich und erforschen den Kampf für Selbstbestimmt Leben und Gleichstellung. Jedem Artikeln vorangestellt ist eine Zusammenfassung in leicht verständlicher Sprache.

Der Schwerpunkt beginnt mit einem Porträt über Siegfried Braun, zentraler Vertreter der ersten österreichischen Behindertenbewegung in den 1920er Jahren – ermordet 1944 in Auschwitz. Eine Langfassung dieser Erstveröffentlichung finden Sie auf bidok.at.

Die beiden folgenden Texte befassen sich mit der Geschichte der Institutionalisierung behinderter Menschen sowie mit Zielen und Forderungen der Ersten österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft in der Zwischenkriegszeit.

Auch wenn sich die Selbsthilfeverbände nach 1945 neu formierten, konnte die Kontinuität der Institutionalisierung erst mit der Entstehung der Selbstbestimmt Leben Bewegung ab den 1970er Jahren gebrochen werden – ein Beitrag, der die Strategien dieser hoch politischen Graswurzel-Bewegung aufzeigt.

Der Kampf der jungen Behindertenbewegung gegen Gewalt und Segregation in Heimen Anfang der 1980er Jahre wird am Beispiel der Proteste gegen die Missstände im Institut Hartheim illustriert. Die Behindertenhilfe als sozial- und wirtschaftspolitisch bedeutsamer Sektor und die Forderungen der Selbstbestimmt Leben Bewegung sind das Thema eines weiteren Beitrags.

Österreich erntete wegen der fehlenden Interessensvertretungen von Frauen mit Behinderungen Kritik von der UNO. Im Schwerpunkt werden die zahlreichen Versuchen der Vernetzung, wiederholtes Scheitern – und die neue Hoffnung thematisiert.

Etwas später als die Selbstbestimmt Leben Bewegung entwickelte sich die Bewegung von Menschen mit Lernschwierigkeiten: „People First“ oder „Mensch Zuerst“.

Für das Dokumentations- und Forschungsprojekt „Geschichte der Behindertenbewegung in Österreich“ wurden Interviews mit Gründerinnen und Gründern der Selbstbestimmt Leben Bewegung geführt. Im Heft werden prägnante Passagen aus den Gesprächen vorgestellt. Die gesamten Interviews sind auf bidok.at zu finden.

Die neu gestaltete Dauerausstellung in Schloss Hartheim trägt den Titel „Wert des Lebens“. Florian Schwanninger, Leiter des Lern- und Gedenkorts, führt durch die Ausstellung, die Fragen zu Behinderung, Sozialpolitik, Ethik, Medizin und Biotechnologie aufgreift.

In der Nachlese des Heftes bespricht Stefan Schweigler eine Sendung anlässlich des Weltradiotages 2019: (Anti-)Diskriminierung von Gehörlosen und Schwerhörigen am Beispiel des „Hörfunks“. Duygu Özkan schließlich porträtiert Monika Rauchberger, Aktivistin und Frontfrau der österreichischen People-First-Bewegung.

Wir danken der Reaktion der Stimme der Minderheiten, insbesondere Gamze Ongan und Cornelia Kogoj, für die ausgezeichnete Zusammenarbeit.

Grafisches Konzept, Artdirektion & Illustrationen: fazzDesign (Fatih Aydoğdu) – fazz(at)fazz3.net

STIMME: Vierteljahrespublikation zu minderheitenspezifischen Schwerpunktthemen
Jahresabo Euro 20.-, 2 Jahresabo Euro 38.-
Sie erreichen unser Aboservice unter abo@initiative.minderheiten.at

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.