Nachbericht zur DiStA-Forschungswerkstatt 2026

Am 29. Mai 2026 fand die 5. Österreichische Online Inter- und Transdisziplinäre Dis/Ability-Forschungswerkstatt von Disability Studies Austria (DiStA) statt. Als Zuhörer-in war es ein inspirierender Tag, der viele Eindrücke hinterlassen hat. Der wissenschaftliche Austausch, der kritischer Diskussion und die kreativen Inputs und Forschungsansätze war aufregend und förderte das Nachdenken über den gesellschaftlichen Umgang und das Denken über Behinderung und Nicht-Behinderung.

Die vom Crip Collective (TU Wien) organisierte Forschungswerkstatt stand unter dem Schwerpunkt „Austerität, Sozialabbau und Behinderung“. Gleichzeitig bot das Programm Raum für vielfältige Themen aus den Disability Studies.

Den Auftakt machte Veronika Bachleitner mit Überlegungen zu Zugehörigkeit in wissenschaftlichen Wissenskulturen. Der Beitrag richtete den Blick auf Forschungsumgebungen, in denen unterschiedliche Arten des Denkens und Wahrnehmens Anerkennung finden können.

Mit ihrem künstlerischen Forschungsprojekt „utterstutterclutter“ luden Ema Benčíková und Elena Lach dazu ein, Kommunikation kreativ wirken zu lassen. Statt von Defiziten in der Kommunikation zu sprechen, fragten sie danach, wie behinderte Kommunikation funktioniert und welche neuen Möglichkeiten daraus entstehen können.

Kay Kender zeigte in einem Vortrag zu Naturschutz und Faschismus auf, wie historische Vorstellungen von Natur bis heute den Zugang zu Naturerfahrungen beeinflussen. Der Beitrag machte deutlich, dass Fragen von Barrierefreiheit auch in Natur- und Umwelträumen eine wichtige Rolle spielen.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Schwerpunkts stand die Podiumsdiskussion zu den Folgen von Sparpolitik für behinderte Menschen. Die Diskussion verdeutlichte, wie eng politische Entscheidungen mit Fragen von Partizipation, Selbstbestimmung und sozialer Gerechtigkeit verbunden sind und welche Rolle Disability Studies dabei spielen können. Es diskutierten Ursula Naue, Pia Röhrer, Paulina Spelbrink und Florian Slansky. Katta Spiel moderierte.

Am Nachmittag sprach Leo Hosp über Autismus, sensorische Wahrnehmung und Technik. Besonders spannend war die Perspektive, dass Technik sowohl entlastend als auch belastend wirken kann und dass sensorische Erfahrungen kontext- und personenbezogen sind und im Zusammenspiel von Person, Umwelt und Technologie entstehen.

Den Abschluss bildete der Beitrag von Oliver Suchanek und Lydia Kremslehner über eine Accessible Kunstausstellung, die gemeinsam mit tauben und taubblinden Künstler-innen entwickelt wurde. Das Beispiel zeigte eindrucksvoll, wie Partizipation, Mitbestimmung und Barrierefreiheit kreative Prozesse und kulturelle Angebote bereichern können.

Die Forschungswerkstatt war thematisch vielfältig und kreativ gestaltet. Sie machte einmal mehr sichtbar, wie facettenreich Disability Studies in Österreich sind. Über unterschiedliche wissenschaftliche, künstlerische und aktivistische Zugänge kamen die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch. Die Forschungswerkstatt war wie immer ein Raum für gemeinsames Lernen, kritisches Nachdenken und solidarischen Austausch. Wir bedanken uns herzlich beim Crip Collective, allen voran bei Katharina Werner und Janis Lena Meißner für die Organisation und die Durchführung.

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