Historisierung des menschlichen Körpers – „Monster“ und „Freak“

Die Historisierung des menschlichen Körpers als Forschungsgegenstand im Sinne der Dis_ability History fokussiert auf die Mechanismen zur Stabilisierung, Herausbildung und Veränderung von kulturellen Deutungsmustern (Zürcher, 2004, 15). Urs Zürcher rekonstruierte dabei die zeitgenössisch-medizinische Sicht auf Andersheiten, Typenbildung und Klassifikationen, sowie die Entstehung des Konzeptes über Behinderung in der bürgerlichen Moderne, beginnend mit der religiösen und metaphysischen Deutung als „Monster“, bis hin zur medizinischen Anomalie und Pathologie. Diese historischen Diskurse sind essentiell für das Verständnis über die Entstehung von spezifischem Wissen, welche durch gesellschaftliche Meinungen untermauert und legitimiert werden.

Rosemarie Garland-Thomson richtete ihre Forschungen auf sogenannte „Freak-Shows“ und die anatomischen Ausstellungen des 19. Jahrhunderts, und kam zu dem Ergebnis, dass „by constituting the freak as an icon of generalized embodied deviance, the exhibitions also simultaneously reinscribed gender, race, sexual aberrance, ethnicity, and disability as inextricable yet particular exclusionary systems legitimated by bodily variation – all represented by the single multivalent figure of the freak.” (Thomson & Thomson-Garland, 1996, 10).

Nach Garland-Thomson werden Identitäten, sowie die Heterogenität physischer Merkmale, theoretisch und begrifflich unter dem Wort „Freak“ vereinheitlicht. Der Diskurs über körperliche Eigenheiten wurde einerseits als Gegenpart der Annahmen über Normalität gepflegt, und andererseits wurden alle möglichen physischen Behinderungen darunter subsumiert. Es steht also außer Frage, dass der Begriff Behinderung eine Geschichte hat, welche im Falle einer Definition berücksichtigt werden sollte.

Von Pia Grochar

Thomson, R. G. & Thomson-Garland, R. (1996). Freakery: Cultural Spectacles of the Extraordinary Body. NY London: NYU Press.

Zürcher, U. (2004). Monster oder Laune der Natur: Medizin und die Lehre von den Missbildungen 1780-1914. Frankfurt/Main: Campus Verlag.

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.