Rezension: Das MUTBuch

Das MutBuch Scan

Selbstbestimmt Leben Innsbruck – Wibs (Hg.): Das MUTBuch. Lebensgeschichten von Frauen und Männern mit Lernschwierigkeiten. AG SPAK Bücher, Neu Ulm, 2012. 88 Seiten. ISBN 978-3-940865-42-7; € 9,00

Im Das MUTBuch erzählen 10 Frauen und Männer mit Lernschwierigkeiten ihre Lebensgeschichte bzw. Ausschnitte aus ihrem Leben. Durch das Berichten ihrer Erfolge wollen sie einerseits anderen Mut machen, Ziele zu verwirklichen, andererseits zeigen sie Probleme auf.

Das Buch gibt einen sehr persönlichen Einblick in die spezielle Lebenssituation von Menschen mit Lernschwierigkeiten, die von speziellen Bedürfnissen und Abhängigkeiten, aber auch Diskriminierung und Institutionalisierung geprägt ist.

Einleitend wird auf Entstehung, Inhalt und Ziel des Buches hingewiesen. Die Geschichten berichten über Ereignisse in der Kindheit, aus dem Leben in der Gegenwart und über Erwartungen an die Zukunft. Die Geschichten wurden von den AutorInnen, deren Namen anonymisiert wurden, in leicht verständlicher Sprache verfasst. Sie wurden dabei von Wibs (die Abkürzung für „Wir informieren, beraten und bestimmen selbst“), einer Beratungsstelle von und für Frauen und Männer mit Lernschwierigkeiten, ein Projekt von Selbstbestimmt Leben Innsbruck, unterstützt. Das Nachwort verfasste die Menschenrechtsexpertin Marianne Schulze, ebenfalls in leichter Sprache. Sie weist auf Barrieren und falsche Vorstellungen in der Gesellschaft hin und unterstreicht, dass es unter Berücksichtigung der geltenden Menschenrechte für Menschen mit Lernschwierigkeiten möglich sein soll, ihr Leben selbst zu gestalten: „Damit mehr Menschen mit Behinderungen den Mut haben, zu sagen, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Damit viel mehr Menschen mit Behinderungen sehen, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen.“

Das MUTBuch soll anderen Menschen mit Lernschwierigkeiten Mut machen, sich ihren Ängsten zu stellen und positiv in die Zukunft zu blicken. Es erscheint aber bezeichnend, dass Menschen mit Behinderungen ihre Lebensgeschichte aufgrund von strukturellen Abhängigkeiten und zum Schutz anonymisiert darstellen wollen. Bislang war die autobiografische Darstellung der Lebenssituation von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Österreich kaum und in leichter Sprache nicht vorhanden. Auf diesem Gebiet stellt dieses Buch ein Novum dar, dessen Geschichten, die mit dem Anspruch Sozialvoyeurismus zu vermeiden, erzählt werden, nicht nur für selbst Betroffene eine gut gestaltete, interessante und lesenswerte Lektüre darstellen.

Von Angela Wegscheider

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